Wissenschaft

Forschung zum Anfassen
Am Freitag, dem 11.09., begrüßte Düsseldorf die sechste Ausgabe der Nacht der Wissenschaft. Diese Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt und bietet Einblicke in die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft, zu denen die fünf teilnehmenden Institutionen forschen: die Heinrich-Heine-Universität (HHU), die Hochschule Düsseldorf (HSD), das Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien (MPI), das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) sowie das Forschungszentrum Jülich (FZJ).
Aktionsstände
Wer an dem verregneten Freitagnachmittag am Schadowplatz vorbeiging, begegnete langen Schlangen vor dem Haus der Universität und einem rappelvollen Aktionszelt. Dort konnten die Besucher:innen an 45 Ständen diverse Forschungsfelder entdecken – und das nicht im Frontalunterricht, sondern hautnah und praktisch unter Anleitung von Expert:innen. Das Motto der Nacht der Wissenschaft lautet nämlich „Forschung zum Anfassen“. Für eine Nacht war es möglich, in eine andere Rolle zu schlüpfen, z.B. in die eines Herzchirurgen. So führten Kardiolog:innen des Universitätsklinikums Interessierte durch eine Biopsie am offenen Herzen. Zwar handelte es sich nicht um ein echtes Herz, dafür kam aber echtes medizinisches Equipment zum Einsatz.
Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist nicht nur gesellschaftlich ein Debattenthema, sondern auch von großem Interesse für die akademische Forschung. Deshalb war KI der Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe. An einem großen Bildschirm mit Kamera konnten Besuchende die Live-Umwandlung ihres eigenen Spiegelbilds in KI-generierte Bilder verfolgen. Zudem wird in Düsseldorf der Einsatz von KI als Lösung für mangelhafte Automatisierungsprozesse erforscht. An einem Stand des interdisziplinären Forschungsinstituts FDMauto der HSD wurde u.a. ein KI-gesteuerter Rollstuhl vorgestellt.


Doch auch Naturfreund:innen wurden im Aktionszelt fündig, zum Beispiel am Stand der Evolutionsgenetik. Dort wurde an einem kleinen Bienenstock gezeigt, wie das Sozialverhalten der Bienen, die über ein besonders effizientes Organisationssystem verfügen, erforscht wird. An jeder Biene ist ein QR-Code befestigt, anhand dessen die Wissenschaftler:innen ihren Aktivitätsverlauf tracken können. Wissenschaft benötigt jedoch nicht nur die Sinne, sondern auch den Geist. Die Heine-Uni ist seit 2010 an der Entwicklung des Wahl-O-Maten beteiligt, der bisher für Europa-, Bundes- und Landtagswahlen zur Verfügung steht. Die Reihe soll nun vervollständigt werden mit einer Version für Kommunalwahlen – den sogenannten „lokal-o-mat“. Wie diese digitalen Wahlentscheidungshelfer entworfen werden, konnte am Stand „Kleb‘ deine Meinung“ ausprobiert werden. Diesmal jedoch nicht digital, sondern analog. Die Standbetreuer:innen veranschaulichten an einem Panel, wie die Zuordnung der Wahlempfehlungen auf der Basis der gegebenen Antworten erfolgt.
Wissenschaftstalks und Vorträge
Studis haben es schon oft gehört: „Wissenschaft lebt vom Diskurs.“ Die sogenannten „Wissenschaftstalks“ im Aktionszelt luden die Teilnehmer:innen ein, sich aktiv an der Diskussion mit den Forschenden zu beteiligen, zum Beispiel darüber, welche Fähigkeiten und Kompetenzen mit fortschreitender Technisierung relevant sein werden oder wie wirksam Kooperationsabkommen zur Bekämpfung des Klimawandels sind.
Gerade bei neuen oder besonders komplexen Themen ist es eine Herausforderung, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und dennoch kompakt zu vermitteln. In 20-minütigen Vorträgen mussten sich die Dozent:innen der Herausforderung stellen, ihre aktuellen Forschungsprojekte möglichst zugänglich herüberzubringen. Mit Erfolg – denn die langen Schlangen vor dem Eingang sprachen für sich. Die Themen waren besonders aktuell und griffen gesellschaftlich breit diskutierte Fragestellungen auf, etwa welche ethische Zurechnungsfähigkeit künstlicher Intelligenz beigemessen werden kann, wie autoritäre Nationalisten die Gesellschaft umbauen, wenn sie Regierungsbeteiligung erringen, und wie sich die deutsche Demokratie gegen das Erstarken der AfD verteidigen kann.

Science Slam
Um Mitternacht schlug die große Stunde für den krönenden Abschluss. Beim „Science Slam“ hatten drei Jungforscher:innen jeweils zehn Minuten Zeit, ihre Forschungsfrage mithilfe aller verfügbaren Ressourcen dem Publikum vorzustellen. Am Ende entschied die Stärke des Applauses über die Siegerin – Dr. Tugçe Beyazay. Sie erklärte, wie man Wasserstoff nutzen kann, um Edelmetalle aus Industrieabfällen zu extrahieren, und verglich diesen Prozess mit der Dating-Show „The Bachelorette“.
Die Rektorin der Heine-Uni, Prof. Anja Steinbeck, bewertete im Interview mit den Campusmedien die Nacht mit einer „10 von 10“ und lobte den Einsatz der Wissenschaftler:innen, die ihre Themen trotz der Lärmkulisse und des begrenzten Zeitrahmens effektiv vermittelten. Ziel der Veranstaltung war es, den Bürger:innen die Leistungen der Hochschulen und Forschungszentren näherzubringen und die Besucher:innen mit neuen Erkenntnissen nach Hause gehen zu lassen. Die Rekordteilnehmendenzahl von 15.000 Besucher:innen zeigt deutlich: Die Nacht war ein voller Erfolg.


Redigat: mf / am
