Kultur

Wenn Kunst auf die Straße kommt
Kunst befindet sich nicht nur in Museen und Galerien. Oft ist sie auch mitten auf der Straße, zum Beispiel auf Stromkästen, Wänden oder Säulen, zu finden. Das ist die sogenannte Streetart. In Düsseldorf gibt es vor allem in Bilk davon eine Menge. Klaus Rosskothen ist Kurator bei der Galerie für Urban- und Streetart „Pretty Portal“. Er führte im Rahmen des Art:Walk Festivals Interessierte durch Bilk und zeigte ihnen verschiedene Kunstwerke.

Die „Pretty Wall“
Die Führung startete bei der „Pretty Wall“. Das ist eine Wand in der Unterführung des Bilker Bahnhofs. 2022 gestaltete Klaus Rosskothen mit einigen Künstler:innen diese Wand. Sechs Bilder sind dadurch entstanden. Alle thematisieren aktuelle gesellschaftspolitische und kulturelle Themen.
Ein Werk zeigt zum Beispiel ein geflüchtetes Mädchen. Über dem Mädchen ist die Aufschrift „For the brave and displaced“ zu sehen. Auf dem Mädchen und auf der Schrift ist orangene Farbe verteilt worden. Gestaltet hat es der Künstler Les Enfants Terribles (kurz L.E.T.). Er ist seit 1992 in der Streetart-Szene aktiv. Manchmal würden Kunstwerke auch verunstaltet, berichtet Klaus Rosskothen. Die orange Farbe auf dem Werk ist zum Beispiel nicht vom Künstler selbst. Das Werk wurde von Dritten mit der Farbe beschmiert. Bei der Restaurierung haben sich dann Klaus und L.E.T. dazu entschieden, sie als Teil des Kunstwerks zu behalten. Dadurch hätte es auch eine neue Bedeutung bekommen, sagt Rosskothen. Der Farbangriff, symbolisiert durch die orangene Farbe, soll darauf aufmerksam machen, dass Flüchtende immer wieder von Übergriffen und Gewalt betroffen sind.
Kapitalismuskritik und Naturgeister
Südlich des Bahnhofs an der Merowingerstraße haben Künstler:innen der Gruppe „Farbfieber“ eine Hauswand gestaltet. Das Kunstwerk stellt stapelweise Häuser dar, in denen verschiedene Figuren abgebildet sind. Sie erzählen ganz unterschiedliche Geschichten von Armut. Von Kindern, die aus der Schule direkt ins Arbeitsamt übergehen, bis zu einem Dieb, der mit einem Sack auf dem Rücken die Armen beklaut. Mit dem Werk wollen die Künstler:innen darauf aufmerksam machen, dass Armut weltweit und auch in Düsseldorf zunimmt, obwohl viele Konzerne große Gewinne einfahren.
Danach führte die Führung zu einer, auf den ersten Blick, unscheinbaren Graffiti-Figur. Der Künstler Harald Naegli sprayte sie zwischen der Brunnenstraße und dem Ludwig-Hammers-Platz an eine Wand. Naegli ist auch bekannt als „Sprayer von Zürich“. Seit den 1970ern sprayt er, vor allem in Zürich, Werke gegen die Urbanisierung der Stadt. Zu Beginn sprayte er noch illegal, mittlerweile bekommt er aber auch offizielle Aufträge und hat sich so als Streetart-Künstler in der Szene etabliert. Auch in Düsseldorf ist er immer wieder unterwegs. Rund 1500 Figuren können von ihm in der ganzen Stadt bewundert werden. Seine häufigsten Motive sind Naturgeister.



Vom Wolf zur Maschine
In der Brunnenstraße befindet sich ein Kunstwerk von dem französischen Künstler ARDIF. Es zeigt die Transformation eines Wolfes zu einer Maschine. Die eine Gesichtshälfte des Tieres besteht schon aus Schrauben, Rädchen und Motoren, die andere Hälfte sieht hingegen noch ganz normal aus. Die Gegenüberstellung von natürlichen Wesen und deren Verwandlung in Maschinen ist ein typisches Motiv des Künstlers.
Die Führung hat nur einen kleinen Ausschnitt von Düsseldorfs Streetart-Szene gezeigt. Für Interessierte findet jeden Samstag um 12 Uhr eine längere Führung mit Klaus Rosskothen statt. Mehr Informationen dazu gibt es hier.
Redigat: jw
