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Kultur

Redaktion:
Das Plakat der Ausstellung „New Design from Düsseldorf“ an der Außenwand des NRW-Forums
„New Design from Düsseldorf“ fand im NRW-Forum statt (Foto: Lieselotte Hahn)

„New Design from Düsseldorf“ geht in die dritte Runde

An sechs Tagen im Juni waren im NRW-Forum in Düsseldorf Abschlussarbeiten des Fachbereichs Design der Peter Behrens School of Art der Hochschule Düsseldorf zu sehen. Auch im Rahmen des Art:walk Festivals konnte die Ausstellung „New Design from Düsseldorf“ besucht werden, bei der über 50 prämierte Projekte von Absolvent:innen gezeigt wurden. Die Ausstellung fungierte dabei als Plattform für junge Designer:innen, um ihre Arbeiten zu präsentieren.

Aus 300 Abschlussarbeiten der Bachelor- und Masterstudiengänge New Craft Object Design, Kommunikationsdesign, Retail Design und Exhibition Design wurden Exponate ausgewählt. Entsprechend vielfältig fielen auch die präsentierten Arbeiten aus: Von Schmuck über Videoinstallationen bis hin zu interaktiven Typographie-Experimenten konnten Besucher:innen die Bandbreite des Fachbereichs Design erleben. Die Designer:innen demonstrierten nicht nur ihre handwerklichen Fertigkeiten, sondern auch ihre Fähigkeit zur intensiven Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Diskursen durch künstlerisch-gestalterische Methoden. Neben der Rolle von Design in einer im Wandel befindlichen Gesellschaft wurden unter anderem Identität, Gender und Materialität hinterfragt und neu interpretiert.

„New Design – New Materials“: Nachhaltiges Ausstellungskonzept im NRW-Forum

Einen besonderen Stellenwert hatte in der Ausstellung auch das Thema Nachhaltigkeit. Die Möbel auf denen ausgestellt wurde, waren vor allem aus recycelten Materialien. Sie entstanden aus Lederfasern aus der Automobilindustrie, natürlichem Klebstoff aus Milcheiweiß und 3D-gedruckten Elementen. So zeigt „New Design from Düsseldorf“, wie Ausstellungsstücke durch nachhaltige Präsentationsformen unterstützt und ergänzt werden können.

Die sorgfältig kuratierte Ausstellung überzeugte außerdem mit vielen interaktiven Exponaten, die Besucher:innen zum Mitmachen einluden und die Werke sinnlich erfahrbar machten. In einem Workshop konnten vor Ort zum Beispiel eigene Stempel designt und geschnitzt werden – ein Angebot, dass von jung und alt gleichermaßen angenommen wurde.

Die Gewinner:innen der HSD PBSA Design Awards

Bereits am 12. Juni wurden im Rahmen einer Preisverleihung die sogenannten „HSD PBSA Design Awards“ durch eine externe Jury vergeben, Besucher:innen konnten zusätzlich für den Publikumspreis abstimmen. Ausgezeichnet wurden insgesamt sieben Abschlussarbeiten, da neben den vier Jurypreisen gleich drei Projekte vom Publikum geehrt wurden. Zwei der Gewinner:innen werden hier vorgestellt.

Die Absolvent:innen Ben Matteo Kellner und Naima Selck entwickelten ein Magazin und ein stapelbares Möbelstück. In dem Magazin hinterfragen sie Design als Kunstform und setzen sich kritisch mit Verantwortung auseinander. Das haben sie dann mit dem Mobelstück in eine physische Form gebracht.

Andrea Ihls „Working Bodies“ setzt sich anhand eines Graphic Novels mit Herabwürdigung, Grenzüberschreitung und Gewalt in der Arbeitswelt auseinander. Der monotone und belastende Berufsalltag vieler Arbeiter:innen, aber auch die Liebe zur eigenen Arbeit sollen durch das Projekt sichtbar gemacht werden.

Werksuntersuchungen und Erfahrungsberichte von Absolvent:innen

Auch der Absolvent Heiko Bauer stellte im NRW-Forum seine Arbeit „Provozierte Spuren“ aus. „Ich setze mich mit Imperfektionen auseinander und möchte die Schönheit im Verborgenen finden“, erklärt er. Seine Abschlussarbeit im Masterstudiengang New Craft Object Design ist ein Sideboard aus Metall, dessen geometrische Formen durch Gebrauchsspuren ergänzt werden, die Heiko im öffentlichen Raum dokumentiert hat. Das Möbelobjekt wird dadurch keineswegs zur Mangelware, sondern gewinnt durch die raffinierte Integration von vermeintlichen Schönheitsmakeln an Komplexität und Charakter.

Ebenfalls aus dem Masterstudiengang New Craft Object Design entstammt die Arbeit „Knoten“ von Mika Meinck. Sie hat sich zunächst theoretisch, dann experimentell und schließlich gestalterisch mit dem Kreuzknoten beschäftigt. „Der hatte für mich das größte Potential, sowohl formal als auch funktional“, sagt sie. So entstand eine Kollektion, „die miteinander und untereinander austauschbar ist, eben wegen dem Knoten als Verbinder“. Entstanden sind daraus eine Schmuckkollektion, die nach einem Baukasten-System funktioniert, und Wandhaken mit austauschbaren Elementen. Als ausgebildete Goldschmiedin übersetzt Mika gekonnt das Prinzip des Kreuzknotens in seiner Form und Funktion in eine neue Materialität, was das Potenzial des Knotens für die Gestaltung offenlegt.

Auch Till Kentemich wandelt in seiner Abschlussarbeit „Cop Culture“ des Bachelorstudiengangs Kommunikationsdesign Formen in Designelemente um. Ausgehend von einem inhaltlichen Fokus auf Polizeigewalt bei politischen Aktionen entstand eine Wandzeitung, die zum Nachdenken und Diskutieren einlädt. „Es gibt da eine große Diskrepanz, zwischen wie ist konventionelle Berichterstattung und wie ist die Berichterstattung auf Sozialen Medien“, erzählt Till. Neben Interviews und Fotografien steht in Tills Arbeit besonders die von ihm erdachte Typografie im Vordergrund: Aus den Bewegungsmustern und der Körperhaltung von Einsatzkräften bei Demonstrationen entwickelte er ein Schriftbild, dessen scharfe Kanten die autoritäre Härte von staatlicher Gewalt widerspiegeln. „Dadurch, dass die Schrift etwas schief steht, hat man so ein bisschen das Gefühl irgendwas läuft nicht so ganz richtig“, ergänzt er.

Die Ausstellung wurde von vielen Absolvent:innen als große Chance wahrgenommen. Anders als bei der Werkschau, die jedes Semester auf dem Campus der HSD stattfindet, fand die Ausstellung an einer renommierten Kulturinstitution und losgelöst vom Prüfungskontext statt, und war dementsprechend anders. „Vor allem auch wegen dem Ausstellungsdesign, wir stellen ja hier alle Arbeiten auf den gleichen Ausstellungsmöbeln aus und es ist kuratiert“, sagt Mika Meinck. Im NRW-Forum kam ein bunt durchmischtes Publikum zusammen, das den jungen Designer:innen mit großem Interesse begegnete.