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Campus

Redaktion:
Auf dem Bild sieht man ein Rad mit verschiedenen Kategorien, welches man drehen kann um Gewinne zu kriegen. Davor steht eine Frau, im Hintergrund hängt ein Plakat von dem Filmfest
Neben Kurzfilmen gibt es beim Filmfest auch ein abwechslungsreiches Programm (Foto: Michelle Pieczyk)

Kurzfilme aus aller Welt

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Der Trailer endet. „Filmfest Düsseldorf“ erscheint groß auf dem Beamer im Hörsaal 3A. Es ist wieder so weit: Das Filmfest Düsseldorf ging in die 23. Runde. An zwei Tagen zeigte eines der größten und bekanntesten Kurzfilmfestivals Deutschlands verschiedene Kurzfilme aus aller Welt.

Das Filmfest

Das Filmfest gibt es seit 2003 und wird von den Studierenden der HHU organisiert. Jedes Jahr arbeitet ein ca. 50-köpfiges Team 12 Monate lang am Projekt. An den ersten beiden Tagen findet das Festival immer an der HHU statt. Am dritten Tag zieht es dann in eine größere Location um, z. B. dieses Jahr ins Weltkunstzimmer, für die Siegerehrung. Das Filmfest verzichtet bewusst auf eine Vorgabe des Genres, wodurch ein vielfältiges und breites Angebot an Kurzfilmen entsteht. 

Dieses Jahr wurden 1200 Kurzfilme eingereicht, unter denen es 16 Filme in die engere Auswahl schafften. Das Publikum hatte mithilfe eines QR-Codes die Möglichkeit, diese im Anschluss jedes Filmes zu bewerten. Die Publikumsfavoriten konnten dann am dritten Tag im Weltkunstzimmer in einer der 4 Kategorien, den Publikumspreis in unter und über 15 Minuten, den Jurypreis oder den Teampreis, gewinnen. Die Jury bestand dieses Jahr aus der Filmregisseurin und Drehbuchautorin Hanieh Bozorgnia, aus dem Medienwissenschaftler Dr. Oliver Kröner, aus dem ehemaligen Vorstandsmitglied Hannah Grépály und dem Filmemacher Ferdinand Ehrhardt. Dieser hat im letzten Jahr mit seinem Kurzfilm “Detlev” den Publikumspreis gewonnen.

Das Publikum durfte sich neben den vielfältigen Kurzfilmen auch über ein abwechslungsreiches Programm freuen. Jeder Tag bestand aus jeweils 2 Blöcken, in welchen jeweils 4 Kurzfilme gezeigt wurden. Das kulinarische Angebot dazwischen umfasste Glühwein, Würstchen wie auch verschiedene Suppen und Süßigkeiten. Ebenfalls hatten die Besucher:innen die Möglichkeit, Fotos mit einem Fotoautomaten zu machen sowie bei Gewinnspielen teilzunehmen und Merch zu kaufen. Für Livemusik sorgten die Sängerin katyadotcom und die beiden Bands Us and I und WirsindBeand.

Der 1. Filmfesttag

Am ersten Tag des Filmfests 2025 spielten im Hörsaal 3A Kurzfilme, die das Publikum nachdenklich stimmten und gleichzeitig auch schmunzeln ließen. Der Abend startete mit dem Kurzfilm „In and Out“ von Mateusz Mirczyn. Der polnische Film handelt von dem jungen Oscar, der für eine Gang Drogen bei einem dubiosen Mann abholen muss, um sein Leben zu retten. In die Wohnung des Dealers nimmt er seinen gleichaltrigen Cousin Daniel mit. Beide freunden sich trotz der ungewöhnlichen Umstände schnell mit dem Dealer an und verbringen etwas Zeit in dessen Wohnung, bis Oscar die falsche Tür öffnet. Nach einer schockierenden Entdeckung versucht er, sich und seinen Cousin sicher aus der Wohnung zu schleusen, was sich schwieriger herausstellt als gedacht. Die Entdeckung bleibt für die Zuschauer:innen ein Geheimnis. Der Film bleibt die ganze Zeit spannend, da ein falsches Wort der zwei Besucher ihnen das Leben kosten könnte. Trotz dieses Umstands bleibt der humorvolle Part nicht aus, besonders durch Daniels schamlose und oft unpassende Art. 

Darauf folgte ein Film, durch den sich die gesamte Spielzeit eine eindringliche Metapher zieht. Die Rede ist von dem mexikanischen Kurzfilm „The Fish Tank“ von Victoria Garza. Zu Beginn des Films entdeckt ein Mann eine junge Frau in einem See, nachdem sie ihrem „Aquarium“ entflohen ist. Ihr Leben wird mit dem eines Fischs verglichen, der auch in seinem Aquarium gefangen bleibt und diesem nie wirklich entfliehen kann.​ Der Film spielt auf Menschenhandel an, der besonders in Mexiko, dem Entstehungsland des Films, sehr weit verbreitet ist.

Direkt nach der ersten Pause wurde es in Block B, dem zweiten Filmblock des Tages, emotional. „What Remains?“ von Marvin Menné ist eine etwas ungewöhnliche Filmform für das Filmfest Düsseldorf, da es sich hierbei um einen Dokumentarfilm handelt, der das Leben von Carla und ihrer demenzkranken Großmutter begleitet. Die kurze Doku von 29 Minuten Länge nimmt einen mit auf die Reise von Dosi und ihrer Enkelin Carla, die noch einmal zurück an den Bodensee reisen wollen. Dosi ist dort aufgewachsen und sehnt sich danach, zurückzukehren. Der Film zeigt, wie sie sich an Ereignisse aus ihrer Jugend am Bodensee zurückerinnert und es genießt, wieder dort zu sein. Das Publikum lernt Dosi als einen lebensfrohen Menschen kennen, der immer einen lustigen Spruch parat hat. Zwischen den schönen Momenten, die beide zusammen erleben dürfen, sieht man immer wieder die Auswirkungen von Dosis-Demenz und wie sie dazu selbst steht. Mitproduzentin, Enkelin Carla, war bei den ersten zwei Tagen des Filmfests dabei und gab ein Live-Interview auf der Bühne. Sie erfreute sich sichtlich über die Auswahl ihres Films und gab bekannt, dass sie Dosi direkt über die Auswahl informiert hätte.

Manchmal funktionieren die merkwürdigsten Kombinationen am besten zusammen. Genau das beweisen die Hauptcharaktere des letzten Films des ersten Filmfest-Tages. Der 5-minütige Stop-Motion-Film „Cell Buddies“ vom niederländischen Studenten Melle Windig lockerte die Stimmung im Saal wieder auf. Der Film handelt von Bob, einem Manati, was eine Art kleine Seekuh beschreibt, und Sam, einem Waschbären, die beide hinter Gittern sitzen. Bob folgt dem mürrischen Sam bei seinem Gefängnisausbruch. Obwohl Sam zu Beginn nicht sehr begeistert davon ist, dass Bob ausgerechnet mit ihm mitkommen will, entwickelt sich eine ungewöhnliche und zugleich enge Freundschaft zwischen den beiden. Auch wenn Bob sich etwas ungeschickt anstellt, schaffen es beide dann doch in die Freiheit.

Der 2. Filmfesttag

Kurzfilme aus verschiedenen Genres schafften es auch am zweiten Tag, das Publikum zu begeistern. Was passiert, wenn ein Auftragskiller doch Moral und Anstand zeigt? Das thematisiert der deutsche Kurzfilm „Söder“ in 27 Minuten. Das Ehepaar Wolf, bestehend aus Kerstin und Torben, verbringt einen Sommerurlaub. Doch Kerstin ist schon seit Längerem genervt von ihrem Mann und möchte etwas ändern – da kommt der Auftragskiller Söder ins Spiel. Mit lustigen Memes zwischendrin und humorvollen Dialogen und Aktionen der Charaktere schafft der Kurzfilm von Raoul Bruck einen humorvollen Auftakt im Block C.

Mit einem etwas ernsteren Thema beschäftigt sich der animierte 14-minütige französische Kurzfilm „Jus d’orange“. Toni lebt für seine Orangen. Schon seit er klein ist, baut er sie an und setzt jedes Jahr die schönste seiner Orangen auf die höchste Spitze eines Berges. Doch das soll sich bald ändern. Eines Tages bemerkt er ein Schiff mit einer sonderbaren Fracht: grünen Orangen. Mit einem Hauch Gesellschaftskritik von kleinen Unternehmen gegenüber großen Institutionen porträtiert der zweite Film des Abends diese Machtlosigkeit. 

Wie ungerecht die Welt sein kann, besonders für Kinder, wird im zweiten Block durch den mexikanischen Kurzfilm „Casa Chica“ in 25 Minuten gezeigt. Die Eltern von Quique und Valentina leben getrennt. Als die Kinder die neue Familie des Vaters besuchen, zeigt sich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung in solch einer Situation sein kann. Dabei spielt der Film mit den verschiedenen Perspektiven und erzählt die Situation durch Quiques Augen und die seiner kleinen Schwester.

Durch verschiedene Blickwinkel möchte „The Night is Young“ zeigen, wie es sich für Frauen anfühlt, nachts alleine nach Hause zu gehen und dabei unschöne Bekanntschaften zu machen. Der deutsche Kurzfilm schafft es, ebenso wie ein Horrorfilm, das Publikum in nur 10 Minuten in Anspannung zu versetzen. Bis zur letzten Sekunde bleibt es unklar, ob Isabel es nach Hause schafft, nachdem sie von einem fremden Mann angesprochen und verfolgt wird. Mit einem Appell am Ende möchte der deutsche Kurzfilm darauf aufmerksam machen, dass solche Situationen immer wieder passieren und für viele zum Alltag dazugehören. 

Wie kombiniert man das Staffelfinale seiner Lieblingsserie mit seinem Job als Verkäufer in einer Teleshopping-Show? Genau das fragt sich auch Olli Hermes, der den Heilstein „Mountain of Miracle“ an seine Kunden bringen muss, nachdem eine Kollegin krank wird und ihn um Unterstützung bittet. Der letzte Film des Tages, „Mountain of Miracle“ von Max Kubitschek, ist in Gedanken an die Corona-Zeit entstanden. Der deutsche Kurzfilm schafft es in 16 Minuten, durch den verpeilten, aber auch sympathischen Hauptcharakter in seiner skurrilen Situation das Publikum zum Schmunzeln zu bringen.

Die Preisverleihung

Am Finaltag, dem 7. November, eröffnete das Weltkunstzimmer Düsseldorf gegen 18 Uhr in den Farben Schwarz, Gold und Dunkelrot und mit dem diesjährigen Motto „Film-Noir“. Vorbei am veganen Bratwurststand oder dem Glücksrad konnte man zu einem der 2 Säle gelangen, in welchen die Filme gezeigt wurden. Nach etwas Zeit zum Ausbreiten und Popcornbesorgen heizten die Moderatorinnen, Chantal und Christina, dann die gut gefüllten Räume an. Doch bevor die eigentlichen Filme die Leinwand einnahmen, zeigte einer der diesjährigen Sponsoren, die Filmproduktion TWIST, einen eigenen Kurzfilm, „Egoli – Place of Gold“. Der knapp 4-minütige Film beschäftigt sich mit der unverhältnismäßigen Verteilung von Wohlstand in Südafrika und zeigt, dass der Geburtsort nur eine Frage des Glücks ist.

Weiter ging es mit Block E und F, wo jeweils die Top acht Filme der letzten zwei Tage gezeigt wurden. In den Pausen sorgte die Sängerin katjadotcom für musikalische Unterhaltung. Währenddessen gab es die Möglichkeit, an einem Schätz-Gewinnspiel teilzunehmen, am Glücksrad etwas Filmfest-Merch zu gewinnen, an der Fotobox gratis Fotos machen zu lassen oder draußen Glühwein zu trinken und etwas Süßes oder Salziges zu essen.

Zum Ende überraschte die Preisverleihung, da ein Film gleich drei von fünf Preisen gewann. Der Dokumentarfilm „What Remains?“ konnte den Publikumspreis (über 15 Min.) sowie den Teampreis und den neuen von TWIST gesponserten Emotional-Impact-Preis mit nach Hause nehmen. Der Publikumspreis (unter 15 Minuten) ging an den kürzesten Film des Abends, „Cell Buddies“. Der größte Preis mit 1000 Euro Gewinn, der Jurypreis, wurde an den Film „Casa Chica“ verliehen. Zuschauer:innen und Team ließen den Abend und das Ende des Filmfests danach mit einer ausgiebigen Aftershow-Party ausklingen.

Redigat: jw