Wissenschaft

Wissenschaft zum Miträtseln
Wenn Bühnenlichter aufblitzen und sich das Publikum auf seine Plätze verteilt, entsteht am 11. Januar im Zakk (Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation) eine besondere Atmosphäre aus Neugier und Skepsis. Bei der Veranstaltung „Echt oder Fake“ weiß niemand im Publikum, welche Geschichten wahr sind und welche geschickt erfunden wurden, sicher ist nur, dass nicht alles stimmt.
An diesem Abend stellten Forschende Behauptungen auf und versuchten mit einem Vortrag das Publikum in die Irre zu führen oder ihnen die Wahrheit zu erzählen. Im Anschluss an jeden Vortrag haben kleine Gruppen entschieden, ob das Gehörte echt oder erfunden war. Ihre Entscheidung hielten sie in Form von Karten in die Höhe. Seit 2018 organisiert und moderiert Tobias Löffler einmal im Semester das Format. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heine-Uni. Ursprünglich kommt „Echt oder Fake“ von der Bewegung „Scientists for Future“ aus Berlin. Tobias Löffler hat es nach Düsseldorf gebracht. Zwischen Fakten, Fiktion und viel Witz zeigt sich nun regelmäßig, wie lebendig die Vermittlung von Wissenschaft sein kann.
Von Windrädern bis Affen
Zum Auftakt führte Tobias Löffler mit einer humorvollen Aufwärmrunde in den Abend ein. Danach folgten sechs Beiträge aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen: von dem Ursprung des „th“ im Englischen über mathematische Beweise bis hin zur Frage, ob auch Affen einen Rhythmus halten können. Um zumindest die rhythmische Synchronisationsfähigkeit der Menschen zu überprüfen, wurde im gesamten Saal zwei Mal gestampft und dann geklatscht. Zwar können Affen im Rhythmus klatschen, aber nicht zusammen. Besonders im Gedächtnis blieb noch ein Vortrag, der auf den ersten Blick sehr bürokratisch klingt. Der Jurist Tobias Roß erklärte, was passieren kann, wenn Windräder auf Windmühlen treffen.

Ausgangspunkt war eine alte, denkmalgeschützte Mühle. Deren Erhalt unterliegt strengem Denkmalschutz und dieser kann, so Roß, mitunter verhindern, dass in ihrer Nähe moderne Windenergieanlagen gebaut werden. Zunächst schien die Behauptung absurd: Warum verhindert eine alte Mühle, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden? Doch beim genauen Hinhören entfaltete sich eine juristische Geschichte, die tatsächlich wahr ist. In allen 16 Denkmalschutzgesetzen existiert der sogenannte „Umgebungsschutz“ – ein rechtlicher Mechanismus, der nicht nur die Substanz des Denkmals, sondern auch dessen Erscheinungsbild schützt. Wenn also der Bau moderner Windräder das historische Gesamtbild beeinträchtigt, kann in der Umgebung kein Windrad gebaut werden. Der Vortrag zeigte exemplarisch, wie „Echt oder Fake“ funktioniert: Ein Thema aus dem Alltag wird mit wissenschaftlicher Präzision erklärt, bis man sich nicht mehr sicher ist, ob man staunen oder zweifeln soll. Die Vortragenden nutzen gerne Themen, die auch für sie verblüffend sind.
„Vor allem, wenn man selbst von etwas sicher war, dass es so ist und dann herausfindet: Stimmt gar nicht. Dann freue ich mich, weil dann habe ich ein Echt oder Fake-Thema.“ (Tobias Roß, Jurist)
Im Diskurs zur Wahrheit
Was den Abend besonders macht, ist weniger die Präsentation wissenschaftlicher Inhalte als die Dynamik, die daraus entsteht. Bereits nach kurzer Zeit entwickelte sich im Raum ein regelrechter Wettkampfgeist. Gruppen lieferten sich Begründungsduelle, warum eine These nun „Fake“ oder „Echt“ sein könne. Für die Vortragenden ist genau das der Reiz des Formats. Jasmin Pfeifer ist Linguistik Professorin an der Heine-Uni und hielt an dem Abend auch einen Vortrag. Sie findet es faszinierend zu beobachten, wie das Publikum wetteifert.„Also das Schönste ist eigentlich immer dem Publikum beim diskutieren zuzuhören, und zuzugucken", sagt Pfeifer. Das die Gäste mitdenken können, so der Tenor vieler Beteiligter, sei das Beste an diesem wissenschaftlichen Spiel. Auch die Besucher:innen selbst zeigten sich im Nachgang beeindruckt von dem Konzept von „Echt oder Fake“. Viele beschrieben den Abend als abwechslungsreich und lehrreich. Besonders geschätzt wurde die Erkenntnis, dass vermeintliche Wahrheiten sich oft als falsch herausstellen. Einige betonten, sie hätten nicht nur über Wahrheit und Täuschung gelernt, sondern ganz nebenbei zahlreiche überraschende Zusatzinformationen mitgenommen.

Hinter dem Format
Für Veranstalter Tobias Löffler ist „Echt oder Fake“ mehr als ein Ratespiel. Er ist überzeugt, dass die wissenschaftliche Methode der beste Weg ist, die Welt zu beschreiben und zu verstehen, wie sie wirklich funktioniert. Aus dieser Haltung heraus entstand der Wunsch, den Menschen zu zeigen, was Fake-News sind und wie man sie erkennt. Das Format soll das kritische Hinterfragen von vermeintlichen Fakten spielerisch fördern. Neben dem aufklärerischen Anspruch steht dabei immer auch die Freude im Vordergrund.
„Echt oder Fake“ wird es auch in Zukunft noch oft geben. Der nächste Termin lädt am 14. Juni wieder zum mitraten ein. Kaum eine andere Veranstaltung schafft es, wissenschaftliche Erkenntnis so niederschwellig, und interaktiv zu vermitteln. Zwischen Bananen, Windmühlen und Mathematik zeigt sich: Wahrheit ist nichts Statisches. Sie lebt davon, gemeinsam entdeckt zu werden.
Redigat: jw

