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Wissenschaft

Redaktion:
Auf dem Bild sind Dr. Mareike Cramer und Dr. Christina Ballázs im Interview mit hochschulradio Düsseldorf zu sehen
Dr. Mareike Cramer (rechts) aus der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie und Dr. Christina Ballázs (links) aus der Klinik für Herzchirurgie (Foto: Carolin Lutzka)

Wenn das Herz Hilfe braucht

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Herzinsuffizienz auch bekannt als Herzschwäche, gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Herz‑Kreislauf‑Systems. Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen insgesamt die häufigste Todesursache in Deutschland dar. Bei dem Fall einer Herzinsuffiziens hat das Herz nicht mehr ausreichend Kraft den Körper mit Blut zu versorgen. Sie ist oft das Endstadium unterschiedlicher Herzkrankheiten – von genetischen Veränderungen über Entzündungen bis hin zu den Folgen eines Infarkts. Die Zahl der Betroffenen steigt seit Jahren, nicht zuletzt weil Menschen älter werden und Begleiterkrankungen wie Diabetes zunehmen. Mittlerweile sind rund 5,5 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen. Für Kliniken bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen die akute Versorgung sicherstellen und gleichzeitig neue Wege finden, um die Erkrankung besser zu verstehen und langfristig wirksamer zu behandeln.

Am Uniklinikum Düsseldorf zeigt sich, wie eng diese beiden Bereiche inzwischen miteinander verbunden sind. Die Klinik zählt zu den führenden Zentren für Herzmedizin in Deutschland und hat die Behandlung von Herzinsuffizienz in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Moderne Diagnostik, molekulare Forschung und technische Unterstützungssysteme greifen dort ineinander.

Forschung zwischen Molekülen und Klinikalltag

Am Uniklinikum Düsseldorf arbeiten mehrere Forschungsgruppen daran, die biologischen Grundlagen der Herzinsuffizienz besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Unter anderem forscht daran das Team von Dr. Mareike Cramer. Dieses untersucht die Wechselwirkungen zwischen Herz und Stoffwechsel. Die Gruppe nutzt moderne Magnetresonanztomographie‑ und ‑spektroskopie‑Verfahren, um Stoffwechselprozesse, Energetik und Entzündungsaktivität im Herzmuskel sichtbar zu machen.

Mit dem neuen Forschungsgebäude CARDDIAB, das derzeit auf dem Campus entsteht, erhält die Herz‑ und Stoffwechselforschung an der Uniklinik Düsseldorf (UKD) einen weiteren Schub. Das Zentrum widmet sich dem Zusammenspiel von Herz‑Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes – zwei Krankheitsfeldern, die sich häufig gegenseitig verstärken. Herzstück des Neubaus ist die Imaging Core Unit, in der ein hochmodernes 3‑Tesla‑MRT und ein 7‑Tesla‑MRT installiert wurden. Diese Geräte ermöglichen hochauflösende funktionelle Bildgebung und die Untersuchung von Stoffwechselvorgängen in Echtzeit.

Der Neubau soll die Kompetenzen von UKD und HHU bündeln und Forschung und klinische Diagnostik räumlich enger zusammenführen – mit dem Ziel, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz langfristig zu verbessern.

Ein neues Herz

Für Patientinnen und Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz bleibt die Herztransplantation eine zentrale Therapieoption. Das Uniklinikum Düsseldorf ist das zweitgrößte Herztransplantationszentrum Deutschlands. Im vergangenen Jahr wurden dort erstmals mehr als 50 Herzen transplantiert. Die Nachsorge ist eng mit der Forschung verknüpft: Die Analyse von Biopsien nach Transplantationen liefert wichtige Hinweise auf Abstoßungsreaktionen und strukturelle Veränderungen, die frühzeitig behandelt werden müssen.

Ob und wie stark ein Spenderherz abgestoßen wird, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von der Transportart. Häufig wird das Herz noch klassisch auf Eis transportiert, was zu ungleichmäßiger Kühlung führen kann. Mittlerweile kommen jedoch auch moderne Transportboxen zum Einsatz, die das Organ gleichmäßiger temperieren. Forschende am UKD untersuchen, ob diese Methode tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt, indem sie die Reaktionen der Empfänger über die Zeit vergleichen.

Gewebe für die Forschung der Zukunft

Um die klinische Versorgung auch langfristig zu verbessern, muss man Herzkrankheiten besser verstehen. Dafür braucht die Forschung verlässliches Material. Im UKD kann man da mittlerweile auf die Hauseigene Biobank zurückgreifen. Dort werden mittlerweile über 25 000 Proben archiviert. Vieles was für die Forschung interessant ist entsteht ohnehin im klinischen Alltag – von CT‑Aufnahmen bis zu Gewebeproben. Während digitale Bilddaten problemloser gespeichert werden können, erfordert die Lagerung biologischer Proben besondere Bedingungen. Alles was für die Forschung relevant sein könnte, wird dokumentiert, katalogisiert und bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert. Die Biobank ermöglicht es, Krankheitsverläufe auch auf zellulärer Ebene nachzuvollziehen, genetische Muster zu erkennen und Therapieentscheidungen präziser zu treffen. Sie bildet damit eine wichtige Brücke zwischen klinischer Versorgung und langfristiger Forschung.

Herzmedizin zum Ausprobieren

Bei der kommenden Nacht der Wissenschaft wird das Uniklinikum Düsseldorf einen Stand anbieten, an dem Besucherinnen und Besucher selbst erleben können, wie moderne Herzmedizin funktioniert. Unter anderem wird ein Modell bereitstehen, an dem sich die Durchführung einer Biopsie simulieren lässt. Bei einer echten Biopsie wird ein dünner Draht über die Leistenvene bis in die rechte Herzkammer geführt. Am Ende befindet sich eine kleine Klemme, mit der ein winziges Stück Herzgewebe entnommen wird. Bei der Nacht der Wissenschaft lässt sich dieser Ablauf zumindest an einem Modell ausprobieren – und zeigt anschaulich, wie präzise und anspruchsvoll die Diagnostik in der Herzmedizin ist.

Redigat: mf