Zum Hauptinhalt springen

Wissenschaft

Redaktion:
Auf dem Bild sind bunte Post-its mit Wörtern aus deutschen Dialekten zu sehen.
Im Raum der Sprachwissenschaften ging es zum Beispiel um Sprachvielfalt (Foto: Nele ter Jung)

Eine Nacht in der Sprachforschung

Auf dieser Seite

An den Ständen der Linguistik und der Anglistik bei der diesjährigen Nacht der Wissenschaft konnten Besucher:innen ganz viele Stationen ablaufen und etwas über verschiedene Aspekte der Sprachforschung lernen. Thematisch ging es um Sprachvielfalt, die Zusammenhänge von Sprache und Gehirn und aktuelle Forschung. 

Linguistikluft schnuppern

Bei der Linguistik gab es „Sprachforschung zum Anfassen“. An einem Laptop konnten die Besucher an einem für den Abend entwickelten Mini-Experiment teilnehmen. Dieses sollte einen kleinen Einblick geben, welche Erkenntnisse Sprachforschung mithilfe von Experimenten gewinnen kann. Dafür wurden den Teilnehmenden verschiedene Wörter auf dem Bildschirm gezeigt. Sie sollten entscheiden, ob es sich dabei um echte oder ausgedachte Wörter handelt. Die Ergebnisse wurden anschließend direkt ausgewertet und von einer Professorin erklärt. Dabei zeigte sich: Bei ausgedachten Wörtern überlegten die meisten Teilnehmenden länger, ob es sich um ein echtes Wort handelt, als bei tatsächlich existierenden Wörtern.

In der Mitte des Raumes gab es auf einem Tisch außerdem eine Auswahl an Sprachrätseln der „Deutschen Linguistik-Olympiade“. Dabei standen verschiedene linguistische Phänomene zum Selbstlösen im Mittelpunkt. Wer wollte, konnte sich hier also selbst als Linguist:in versuchen. Die Aufgaben waren ganz unterschiedlich: von einfachen Wortspiel-Rätseln bis hin zu kniffligen Sprachrätseln. Außerdem wurde am Stand informiert, zu welchen Themen das Institut für Linguistik im Moment forscht. Dazu gab es zum Beispiel ein Infoposter zum Thema Amusie.

Amusie

Amusie ist eine Sprach- und Musikwahrnehmungsstörung. Für Amusiker:innen kann Musik sehr unangenehm sein. Dabei geht es nicht einfach um „unmusikalisch“ sein, für Betroffene ist Rhythmusgefühl zum Beispiel schwer hörbar. Außerdem können verschiedene Tonhöhen oft nur schwer unterschieden werden. Das Institut für Linguistik forscht zu dem Thema und sucht auch Wege, Amusie zu behandeln. Wer selbst das Gefühl hat, vielleicht betroffen zu sein, kann sich am Institut für Linguistik auf Amusie testen lassen.

Holla die Sprachvielfalt!

Zum Thema Sprachvielfalt waren am Stand verschiedene Emojis ausgedruckt. Die Aufgabe war es, in verschiedenen Sprachen zu sammeln, was mit den Emojis verbunden wird, zum Beispiel Sprichwörter oder bestimmte Emotionen. Die Antworten konnten dann an einer Wand gesammelt werden.

Besonders spannend war es auch, die gesammelten Antworten miteinander zu vergleichen. So stand zum Beispiel neben einem Kotz-Emoji „Mir ist speiübel“ oder „Igitt“ oder bei einem überraschten Emoji „Holla die Waldfee“ oder „Ich fall vom Glauben ab“. Mit der Mitmach-Aktion sollte die sprachliche Vielfalt in Düsseldorf sichtbar und erlebbar gemacht werden.

Sag mir, wie du sprichst und ich habe meine Vorurteile dazu

Unter dem Motto „Sag mir, wie du sprichst, und ich sag dir, wer du bist“ ging es bei der Anglistik um Forschung zu Linguizismus und dessen Ursachen. Bisherige Forschung zeigt, dass sprachbezogene Vorurteile eher auf kulturellen Stereotypen beruhen als durch bestimmte Laute in Sprachen, die Menschen als „angenehmer“ oder „abgehackter“ wahrnehmen. Diese Vorurteile könnten auch durch Social Media und KI verstärkt werden.

Linguizismus

Linguizismus bedeutet, dass Menschen vorverurteilt werden, je nachdem, wie sie sprechen. Diese Vorurteile können einerseits ganze Sprachen betreffen. So zum Beispiel wird Französisch oft als „schön“ oder „romantisch“ angesehen, Deutsch aber als „hart“ und „kalt“. Linguizismus kann zu schweren Folgen führen, denn wenn die eigene Sprache oder der eigene Dialekt verurteilt wird, kann das zum Beispiel soziale oder rechtliche Benachteiligung mit sich bringen. Das führt dann auch zu Diskriminierung auf dem Wohnungs- oder Arbeitsmarkt oder bei der Bildung.

Digga, Hömma und LG

An einer weiteren Station wurde gezeigt, wie schnell Menschen anhand der Sprache und wie sie sprechen, Rückschlüsse auf eine Person ziehen. Um das genauer zu zeigen, gab es Textnachrichten, bei denen man das Alter der Personen einschätzen sollte. Bei den Antworten waren sich viele einig: Häufig orientierten sie sich dabei an der Auswahl der Emojis. Nachrichten mit vielen Emojis wurden vorwiegend älteren Personen zugeordnet, während einfache Smileys eher den jungen Erwachsenen zugeordnet wurden. Ein starkes Indiz für eine jugendliche Person schien die Verwendung von Anglizismen und Jugendwörtern zu sein.

Um auch die Dialektvielfalt in Deutschland zu zeigen, gab es eine interaktive Deutschlandkarte. Dort haben die Besuchenden ihre Dialekte oder auch einzelne Wörter auf einer Karte angeordnet. Die Ergebnisse wurden dann auf dieser gesammelt. So gab es dann am Ende des Abends eine große Karte mit ganz vielen bunten Post-its voll mit Wörtern wie „Hömma“ oder „Bütterken“.

Redigat: cl