
Rektorin äußert sich zu umstrittener Vorlesung
Am Dienstag, dem 21. Juli, versammelten sich hunderte Menschen auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität, um gemeinsam zu protestieren. Grund dafür war die Vorlesung einer Psychologieprofessorin. Diese hatte in der Einladung zu ihrer Vorlesung von „Trans-Ideologie“ gesprochen und angekündigt, dass es darum gehen würde, wie diese die Entwicklung von Kindern beeinflussen würde. Deswegen wurde ihr von vielen Studierenden Transfeindlichkeit vorgeworfen. Die Forderungen der Demonstrierenden gingen auch in Richtung der Uni-Leitung. Es ging unter anderem um ein Campus-Verbot und die Entlassung der Professorin. Die Redaktion von cm3-online bat Rektorin Anja Steinbeck deswegen, um eine Stellungnahme.
Grenze zwischen Wissenschaftsfreiheit und Diskriminierung
Rektorin Anja Steinbeck äußert sich zu dem Fall insgesamt zurückhaltend, macht ihre Haltung aber deutlich. Für sie steht fest, dass die Universität jede Form von Diskriminierung ablehnt. Gleichzeitig betont sie die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit. Eingreifen würde die Universitätsleitung nach ihren Angaben erst dann, wenn tatsächlich feststünde, dass Grenzen überschritten wurden.
Aus diesem Grund hielt Steinbeck die Forderung nach einer Entlassung der Professorin für überzogen. Zum Zeitpunkt der Demonstration habe die Vorlesung schließlich noch gar nicht stattgefunden. Zugleich machte die Rektorin jedoch deutlich, „dass das gesamte Rektorat über die Ankündigung der Vorlesung sehr befremdet war“ und sie dies „der Kollegin auch mitgeteilt haben“.

Warum die Vorlesung nicht abgesagt wurde
Trotz dieser „Befremdung“ wurde die Vorlesung nicht abgesagt. Steinbeck begründet dies mit der Wissenschaftsfreiheit. Forschung könne auch unbequeme oder verletzende Erkenntnisse hervorbringen. „Gleichzeitig muss sich natürlich auch die potenziell belastende Forschungsaussage an den Regeln für gute wissenschaftliche Praxis messen lassen.“ Entscheidend sei daher nicht, ob Aussagen anecken, sondern ob die Grenzen der Wissenschaftsfreiheit überschritten werden. Solange dies jedoch nicht feststehe, müsse die Universität Raum für wissenschaftliche Debatten lassen. Kritik und Protest seien dabei selbstverständlich legitim.
Die Grenze verläuft dort, wo Menschen oder klar umgrenzte Menschengruppen beleidigt, diffamiert oder diskriminiert werden.
Rektorin Anja Steinbeck
Wissenschaftlicher Diskurs soll im Mittelpunkt stehen
Nach der Demonstration und der inzwischen gehaltenen Vorlesung hofft die Rektorin nun, dass der wissenschaftliche Diskurs wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Kontroverse Positionen sollten respektvoll diskutiert werden. Schrille Töne und persönliche Angriffe hätten an einer Universität keinen Platz. „Ich hoffe, dass wir uns als Hochschulgemeinschaft künftig wieder stärker auf Diskursfreude, Respekt und Toleranz besinnen“, sagt Rektorin Anja Steinbeck.
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