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Politik

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Wahlunterlagen

Olympia in Düsseldorf? Das spricht dafür oder dagegen

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Die Abstimmung ist bereits in vollem Gange. Zur Debatte steht, ob Düsseldorf sich an der gemeinsamen Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele in der Region KölnRheinRuhr beteiligen soll. Bis zum 19. April können 4 Millionen Stimmberechtigte in 17 Kommunen der Region per Brief über mögliche Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 abstimmen. Aber was wären die Vor- und Nachteile solcher Spiele in NRW?

KG Ratsbürgerentscheid
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Umfrage Campus
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Infos zur Abstimmung

Alle EU-Bürger:innen ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in einer der teilnehmenden Gemeinden wohnen, sind zu dem Ratsbürgerentscheid berechtigt. Diese erfolgt ausschließlich per Brief, der seit dem 19. März verschickt wurde. Wer noch keine Unterlagen bekommen hat, kann sich an die Stadtverwaltung wenden. Neben Düsseldorf werden auch die Bürger:innen in Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal befragt.

Damit es zur Bewerbung überhaupt kommt, braucht es zunächst eine Mindestbeteiligung von 10 % bzw. 20 % in kleineren Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohner:innen. Wenn dieses sogenannte Abstimmungsquorum erreicht wird und zusätzlich eine Mehrheit für „Ja“ oder "Nein“ stimmt, ist das Ergebnis bindend. Sollte es in einer Kommune eine Mehrheit für „Nein“ geben oder die Beteiligung zu gering sein, scheidet diese aus der gemeinsamen Bewerbung aus. Für diesen Fall sind von der Landesregierung schon alternative Sportstätten eingeplant.

Die Wahl auf einen Blick

Wer wählt? Alle EU-Bürger:innen ab 16 Jahren, die seit mind. 3 Monaten in einer der 17 teilnehmenden Kommunen gemeldet sind

Was wird gewählt? Ob die eigene Kommune sich an der Bewerbung für Olympische Spiele als Gastgeber beteiligen soll

Wie wird gewählt? Die Briefunterlagen werden automatisch verschickt und müssen bis zum 19. April wieder beim Wahlamt eingegangen sein

Warum wird gewählt? Die Zustimmung der Bürger:innen ist ein wichtiger Aspekt im Bewerbungsprozess, da eine Bewerbung nur mit breiter Unterstützung der Bevölkerung angestrebt werden soll.

Ein „Nein“ in größeren Städten wie Düsseldorf würde jedoch die ganze Bewerbung gefährden. Der Deutsche Olympische Sportbund legt nämlich großen Wert auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung, um die Bewerbung überhaupt in Betracht zu ziehen.

Eine mehrheitliche Zustimmung hingegen würde die nächsten Schritte der Bewerbung einleiten, wobei die finale Entscheidung im Herbst 2026 erfolgen wird.

Was dafür spricht

Laut der Initiative KölnRheinRuhr soll die Infrastruktur der Region durch die Spiele verbessert werden, da in den öffentlichen Nahverkehr, in die Digitalisierung und in Barrierefreiheit investiert werden soll. Das soll zu langfristigen Auswirkungen führen, von denen vor allem die Bevölkerung profitieren soll. Im Kölner Norden soll das Olympische Dorf errichtet werden, was nach den Spielen einen neuen Stadtteil bilden soll, mit Platz für Büros, Wohnraum, Kitas und einen Park. Abgesehen davon würden die Spiele in schon vorhandenen Stadien und Sportstätten in der Region stattfinden, was für ihre Nachhaltigkeit spricht.

Außerdem kann ein solches Großereignis helfen, die Stimmung und den Zusammenhalt im Land zu verbessern. Rückblickend auf die EM 2024 bringen solche Events die Menschen zusammen und lassen einen großen Teil der Bevölkerung teilhaben – ein positiver Ausblick in Zeiten von Krisen und Spaltung in der Gesellschaft. Daher ist auch der Anspruch, die möglichen Spiele für alle breit zugänglich zu machen, indem die 14 Millionen Tickets preisgünstig verkauft werden sollen. Auch international könnten Olympische Spiele in der Region ein Zeichen für Demokratie setzen. In der Vergangenheit standen viele Großereignisse wegen ihrer Austragungsländer in der Kritik, wie die Olympischen Spiele in Russland 2014 oder die WM 2022 in Katar. Letztere wollen sich ebenfalls für die Spiele in 2036 bewerben. Während es in Katar immer wieder kritisch um die Menschenrechte und das Regime steht, würden die Spiele in Deutschland in einer freien und demokratischen Gesellschaft stattfinden, was ein positives Zeichen setzen könnte.

Was dagegen spricht

Ein großes Argument gegen die Olympischen Spiele sind die Kosten. Der Deutsche Olympische Sportbund betont, dass die kalkulierten Durchführungskosten von 4,8 Milliarden Euro nicht durch öffentliche Mittel, sondern durch Einnahmen wie Werbung gedeckt werden sollen. Jedoch war es bei vergangenen Spielen oft im Nachhinein teurer als geplant: Für Paris 2024 wurden Kosten von 2,4 Milliarden Euro berechnet, am Ende gezahlt wurden 6,6 Milliarden Euro. Die genauen Kosten sind also schwer vorhersehbar und damit auch die Frage, inwiefern die Kommunen und das Land NRW davon profitieren würden. Wer aber mit Sicherheit von den Spielen profitieren wird, ist das Internationale Olympische Komitee (IOC). Dieses steht schon länger wegen Korruption und Nähe zu autoritären Regimen in der Kritik. Von den Einnahmen der Olympischen Spiele werden 40 % an den Ausrichter, in dem Fall Deutschland, zurückgegeben, der Rest würde vom IOC verwendet werden, um den olympischen Gedanken zu fördern. Dabei bleibt jedoch beispielsweise bei den Sportler:innen nur ein Bruchteil hängen.

Auch Umweltaspekte werden bei den möglichen Spielen kritisiert. Das Olympische Dorf zum Beispiel soll auf einer bisher unbebauten Fläche entstehen, die landwirtschaftlich genutzt wird und im Sommer als Kaltluftentstehungsgebiet für die Stadt gilt, das nicht versiegelt werden sollte. Das bedeutet, das Gebiet fungiert im Sommer als natürliche „Klimaanlage“ für das aufgeheizte Köln. Was zusätzlich oft unterschätzt wird, ist das Verkehrschaos, das mit solchen Großevents einhergeht. Daher sei es generell in der Praxis nicht so einfach, die Spiele so nachhaltig zu organisieren, wie sie beworben werden.

Weitere Orientierungshilfe

Wer sich nun immer noch unsicher ist, kann den „Olympi-O-Mat“ nutzen. Das Tool mit 35 Fragen wurde vom Deutschen Olympischen Sportbund selbst erstellt, um eine Orientierungshilfe zu schaffen. Er ist auf der Website „dafuer-sein-ist-alles.de“ verfügbar.

Redigat: mf