
Lektüretipps für düstere Tage
Es ist wieder Zeit für Winterjacken, Heißgetränke und gemütliche Abende auf dem Sofa. Wenn es draußen kalt ist und der Regen kein Ende findet, kann gute Lektüre etwas Wärme und Spannung in den Alltag bringen. Zusammen mit einer Tasse Tee und leckeren Plätzchen lässt sich so auch ein verregneten Tag vollends genießen – am besten begleitet von Dark Academia, Horror in Kurzform oder politischen Schriften.
„Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt
„Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt gilt aufgrund der besonderen Stimmung für viele Leser:innen längst als Pflichtlektüre für die kalte Jahreszeit. Der Roman folgt Richard, der durch sein Studium Teil einer Gruppe von Studierenden an einer Eliteuniversität in Vermont wird. Schnell wird klar, dass die jungen Erwachsenen etwas vertuschen wollen und dabei vor nichts zurückschrecken: ritualisierte Exzesse, verwobene Gruppendynamiken und Geheimnisse, die zusammenschweißen und ebenso auseinanderreißen. Im Aufbau an eine griechische Tragödie erinnernd werden dabei Zugehörigkeit, Klassismus und Moral thematisiert und hinterfragt. Obwohl der Roman viele Seiten hat, schafft er es, dass man ihn am liebsten nicht mehr zur Seite legen möchte. Die akademisch hoch motivierte Freund:innengruppe inspiriert zusätzlich ganz nebenbei, selbst etwas für die Uni zu tun. Deswegen eignet sich „Die geheime Geschichte“ besonders für diejenigen, die gerade einen Mit-Semester-Durchhänger erleben.
Autorin: Donna Tartt
Genre: Roman
Seitenzahl: 731
Preis: 15,00 €

Autor: Edogawa Ranpo
Genre: Kurzgeschichten – Horror/Krimi
Seitenzahl: 224
Preis: 15,50 €
„Japanese Tales of Mystery and Imagination“ von Edogawa Ranpo
Leser:innen, die ihre Gänsehaut lieber vom Gruseln als von der Kälte kriegen, kommen bei Edogawa Ranpos Kurzgeschichtensammlung auf ihre Kosten. Der japanische Autor war stark inspiriert von Edgar Allen Poe und Sir Arthur Conan Doyle und verfasste vorwiegend Kriminal- und Horrorerzählungen. In „Japanese Tales of Mystery and Imagination“ sind einige seiner einflussreichsten Werke gesammelt, die vor dem Hintergrund der Urbanisierung und eines zunehmend anonymen Tokyo von den Abgründen der menschlichen Psyche handeln. Spannend und auf den Punkt gebracht lassen sich die Kurzgeschichten sowohl auf dem Weg zur Uni als auch vor dem Schlafengehen gut lesen – wenn man sich traut.
„Das Recht auf Faulheit“ von Paul Lafargue
Die Jahreszeit bietet mit kühlem Wetter und kurzen Tagen die Möglichkeit, einen Moment innezuhalten. Wer diese Entschleunigung reflektieren und gleichzeitig auch die politische Bildung nicht zu kurz kommen lassen möchte, findet möglicherweise Inspiration in Paul Lafargues „Das Recht auf Faulheit“. In dem erstmals 1880 veröffentlichten Text kritisiert Lafargue das Ideal des ewigen Fortschritts sowie Überproduktion und -konsum. In Zeiten von unsicherer Grundsicherung und immer härteren Sanktionen auch gegen Arbeiter:innen liefert der Text wertvolle Denkanstöße: Wieso setzen wir Selbstwert mit ökonomischer Produktivität gleich? Wer profitiert von dieser Überzeugung? Und wie lässt sich unser Verhältnis zur Arbeit umdenken? Lafargue argumentiert, dass wir im Spätkapitalismus erst recht lernen sollten, faule Tage mit gutem Gewissen zu genießen – nicht nur, wenn es draußen kalt und dunkel ist.
Achtung! Lafargue bedient sich stellenweise diskriminierender Sprache und reproduziert Stereotype. Dies erfordert eine besonders kritische Auseinandersetzung mit dem Text.
Autor: Paul Lafargue
Genre: Non-Fiction/Politik
Seitenzahl: 52
Preis: ab 4,80 €

Autorin: Mary Shelley
Genre: Horror
Seitenzahl: 256
Preis: ab 8,00€

„Frankenstein“ von Mary Shelley
Wer Guillermo del Toros Neuverfilmung von Frankenstein mochte, aber noch nie den gleichnamigen Roman von Mary Shelley gelesen hat, findet jetzt die perfekten Bedingungen dafür vor. Die Geschichte um den brillanten Wissenschaftler Frankenstein und dessen Kreatur liest sich am besten, wenn es draußen schaurig düster ist. Als Klassiker der Horrorliteratur hat der Text von 1818 nicht nur das Genre maßgeblich geprägt, sondern auch Shelley als eine der ersten schreibenden Frauen in der Öffentlichkeit positioniert. Unerwartet sensibel für eine Gruselgeschichte beschäftigt sich „Frankenstein“ mit wissenschaftsethischen Fragen und fordert auch die Leser:innen auf, zu überdenken, was eigentlich ein Monster ausmacht.
Kleiner Tipp: Wer vor Klassikern normalerweise eher zurückscheut, findet auf gängigen Streamingdiensten auch Hörbuchfassungen im Original und in Übersetzung – perfekt für Spaziergänge oder beim Keksebacken.
„Dark, Witch & Creamy“ von H. Y. Hanna
Für bekennende Angsthasen, die aber nicht auf die dramatische Stimmung verzichten wollen, sind Cozy-Crime-Romane wie „Dark, Witch & Creamy“ von H. Y. Hanna genau das Richtige. Die Buchreihe umfasst insgesamt neun Bände, die alle von einem abgeschlossenen Kriminalfall handeln. Wichtiger als das Verbrechen ist hier allerdings die gemütliche Stimmung der britischen Cotswolds: Im kleinen Dorf Tillyhenge sind Hexen und Vampire keine Gruselfiguren, sondern schrullige Verwandte und Nachbar:innen. Dazu kommen charakterstarke Katzen, adlige Romanzen und mysteriöse Familiengeheimnisse – inklusive der Schokoladenrezeptur des örtlichen Süßwarengeschäfts. Perfekt zum Lesen und Naschen!
Redigat: mf

Autorin: H. Y. Hanna
Genre: Krimi/Cozy Crime
Seitenzahl: 287
Preis: 15,99 €

