Kultur

Von Enden und Neuanfängen - Fünf Filme für den Dezember
„Kevin-Allein Zuhause“, „Der Grinch“ oder „Drei Walnüsse für Aschenbrödel“: Überall laufen grade Weihnachtsfilme. Da kann es dann doch ziemlich schnell passieren, dass man die Nase voll hat von bunt geschmückten Tannenbäumen und dauerhaften Weihnachtssongs. Für Grinch-Gleichgesetzte heißt das aber nicht, dass sie im Dezember auf Filme verzichten müssen.
Die Hüter des Lichts – frostige Helden voller warmer Hoffnung
Jack Frost ist ein junger, leicht chaotischer Geist des Winters, mit einem großen Problem: Er weiß nicht, woher er kommt und warum er überhaupt existiert. Diese Fragen finden Antworten als Jack den Hütern des Lichts beitritt. Sie beschützen seit Jahren die Träume und Hoffnungen von Kindern. Unter ihnen ist, zum Beispiel auch, der Weihnachtsmann, der Osterhase oder die Zahnfee. Die Hüter des Lichts treffen auf ihre größte Herausforderung als der dunkle Gegenspieler Pitch Black auftaucht. Er braucht Angst und Zweifel, um zu überleben und versucht den Kindern den Glauben an Wunder zu klauen. Doch als Jack gegen die Dunkelheit von Pitch ankämpft, kommt langsam auch die Wahrheit über seine Vergangenheit ans Licht.
Der Film zeichnet sich durch eine dynamische, detailreiche Animation aus, die Action und märchenhafte Bildwelten miteinander verbindet. Die Farbgestaltung ist stark symbolisch. Das warme Licht der Hüter: innen und die kalte Dunkelheit von Pitch werden visuell zum zentralen erzählerischen Motiv. Die Neuinterpretation der Figuren mit, zum Beispiel, dem tätowierten kriegerischen Weihnachtsmann und kampferprobten Osterhasen liefert dem Film ein klares Ausstellungsmerkmal. Die Inszenierung der Action erinnert stark an einen Superheldenfilm. Mit den mythologischen Figuren und der schnellen Handlung wird Die Hüter des Lichts zu einem spannenden, aber auch märchenhaften Film über Fragen der Hoffnung und Identität.
Truman Show – der wahre “Main Charakter”
The Truman Show erzählt die Geschichte von Truman Burbank, einem scheinbar ganz normalen Mann. Er führt ein ruhiges Leben mit klaren, festen Routinen. Er ist verheiratet, hat einen festen Job und freundliche Nachbarn. Nichts in seinem Leben scheint jemals außer Kontrolle geraten zu können. Das alles denkt zumindest Truman selbst. Was er nicht weiß, das Publikum aber schon, ist, dass sein ganzes Leben inszeniert ist. Seine Umwelt ist ein riesiges Set und seine Mitmenschen sind Schauspieler: innen. Im Laufe des Filmes bröckelt Trumans utopische Weltansicht und er fängt an Sachen zu hinterfragen. Aus kleinen Irritationen wird Skepsis, aus Skepsis Misstrauen und schließlich die Erkenntnis und der Drang zu fliehen. Aber je stärker Truman versucht, sein Leben selbst zu bestimmen, desto verzweifelter greift der Schöpfer der Sendung ein.
Stilistisch lebt der Film von dem Zusammenspiel der Realität und der inszenierten Welt. Die Kamera wechselt perspektivisch zwischen Film und Überwachung. Die Zuschauenden kriegen somit beide Perspektiven zu sehen. Sie begleiten Truman’s Erwachen, sind aber währenddessen auch das Publikum seiner Sendung. Auch das Setdesign baut auf dem übernatürlich perfekten Stil der Sendung auf. Alles ist so perfekt, dass es schon unheimlich wirkt. Das alles dient dazu, eine starke Medienkritik aufzubauen. Der Film zeigt, wie dystopisch sich Voyeurismus und Überwachung entwickeln können und fragt nach den Grenzen der Ethik von Unterhaltung.
Anastasia – das düstere Wintermärchen für den nostalgischen Abend
Der Film Anastasia beginnt mit einer Revolution, die Russland für immer verändert. Die Herrschaft der Adelsfamilie Romanow wird gewaltsam beendet. Die junge Zarentochter Anastasia schafft es zwar zu fliehen, verliert jedoch ihr Gedächtnis und somit jegliche Verbindung zu ihrer Herkunft. Sie wächst unter dem Namen Anya auf. Viele Jahre später trifft sie auf den betrügerischen Dimitri, der eine Schauspielerin sucht, die sich als Anastasia ausgeben kann. Er will ihre Großmutter täuschen und eine Belohnung dafür kriegen, die Zarentochter nach Hause gebracht zu haben. Doch weder Dimitri noch Anastasia wissen, wie nah sie der Wahrheit wirklich sind. Während ihrer Reise werden die beiden von dem Magier Rasputin verfolgt, der damals die Revolution angestiftet hat. Er ist bereit, alles zu tun, um Anastasias Rückkehr zu verhindern.
Das Besondere an Anastasia’s Animationsstil ist die Nutzung von Rotoskopie. Das heißt, dass die Bewegungen der animierten Figuren nach realen Filmaufnahmen gezeichnet wurden. Diese Technik zeigt sich vor allem in den vielen Tanzszenen in den goldenen, leuchtenden Ballsälen. Abgesehen von der Animation ist der Film auch bekannt für die Musik. Werke wie „once upon a december“ wurden in den Kategorien „Beste Musik“ und „Bester Song“ 1998 für die Oscars nominiert.
Matrix – die etwas intensivere Existenzkrise zum Jahresende
Der Hacker Neo lebt ein unscheinbares, fast schon langweiliges Leben. Doch hinter dieser langweiligen Oberfläche liegt eine Lüge. Neo erfährt, dass seine vermeintliche Realität eine Simulation ist – die Matrix. Im echten Leben werden Menschen von Maschinen kontrolliert und ausgebeutet. Diese schläfern die Menschen ein und lassen sie glauben, sie leben ein echtes Leben. Währenddessen zapfen sie aber ihre Energie ab. Neo gehört zu den wenigen Menschen, die dieser Ausbeutung entkommen konnten und die Wahrheit entdecken. Doch er muss eine Entscheidung treffen: Will er der Matrix entkommen und das gefährliche, echte Leben betreten? Oder will er die sichere Illusion weiterleben?
Die Bildsprache des Films repräsentiert die doppelten Dimensionen der Geschichte. Action ist hier nicht nur Spektakel, sondern ein Ausdruck des Systems, in der Realität formbar ist, solange man die Regeln versteht. Der Film wirft grundlegende Fragen zu Realität und Identität auf. Gleichzeitig spiegelt er die immer wachsende Angst der Entfremdung durch Technologie auf. Woran erkennt man überhaupt noch, was real ist? Obwohl der Film fast 30 Jahre alt ist, ist er vielleicht sogar relevanter denn je.
Ayla: The Daughter of War – der Kampf um die Menschlichkeit
Der Film spielt Anfang der 1950er Jahre während des Koreakriegs zwischen Ruinen, Schnee und einer scheinbar endlosen Gefahr. Er basiert auf der wahren Geschichte des türkischen Unteroffiziers Süleyman. Dieser wird gemeinsam mit seiner Einheit nach Korea entsandt und trifft dort in einem zerstörten Dorf auf ein kleines, koreanisches Mädchen. Sie ist allein, verängstigt und weigert sich zu reden. Süleyman nimmt sie bei sich auf und nennt sie Ayla (Mondlicht). Zwischen den beiden entsteht eine zärtliche Beziehung trotz verschiedener Kulturen und Sprachbarrieren. Doch als der Krieg endet, muss Süleyman zurück in die Türkei. Er gibt sein Bestes, um Ayla mitnehmen zu dürfen, muss sie aber zurücklassen. Zumindest für viele Jahre …
Ayla erzählt kein heroisches Kriegsepos, sondern eine intime Geschichte über Verlust und Erinnerung. Die Kamera arbeitet häufig mit klassischen, fast dokumentarisch wirkenden Einstellungen, die den historischen Kontext priorisieren. Besonders auffällig ist die Darstellung von Ayla selbst. Ihr Zustand wird nicht verharmlost, sondern als verletzlich, still und traumatisiert gezeigt. Der Film zeigt Krieg nicht primär als politisches Ereignis, sondern als menschliche Katastrophe. Die Beziehung zwischen Ayla und Süleyman wird zu einer Rebellion gegen die Entmenschlichung und zu einem Schimmer der Hoffnung.
Redigat: mf
