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Kultur

Auf dem Bild sieht man ein Ipad mit dem Musical das Musical „Cabaret“. Daneben steht eine Kerze
Das Musical „Cabaret“ (Foto: Franziska Korinth)

Verantwortung, Schuld und die Frage „What Would You Do?“

Ein Gastbeitrag von Franziska Korinth

Auf dieser Seite

Am 20.11.1966 fand die Erstaufführung des Concept-Musicals „Cabaret“ statt, in dem die Zuschauer:innen in das Berlin der frühen dreißiger Jahre eintauchen. Als Besucher:innen des Kit-Kat-Clubs wird ihnen Musik und Unterhaltung geboten, während sie die Erlebnisse des jungen Amerikaners Cliff Bradshaw und der Sängerin Sally Bowles verfolgen. Doch immer mehr durchdringen die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland das Geschehen und lassen sich bald nicht mehr ignorieren.

Cabaret-Berlin im Wandel

Seine Neugier und die Sehnsucht nach Freiheit bringen den Schriftsteller Cliff Bradshaw, einen jungen US-Amerikaner, 1929 in das aufgeweckte und vielfältige Berlin. Dort kommt er in der Pension von Fräulein Schneiders unter. Bei einem Besuch im berühmt-berüchtigten Kit-Kat-Klub lernt er die englische Nachtclubsängerin Sally Bowles kennen. Sie sucht eine Bleibe und er nimmt sie zögernd bei sich auf. Beide kommen sich schnell näher und auch zwischen Fräulein Schneider und dem Juden Herrn Schultz knistert es. Doch schon bald wird das junge Glück beider Paare durch die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen gestört. Diese drängen alle zu folgenschweren Entscheidungen: die Einen wollen der Realität ins Auge blicken und vor dem Faschismus fliehen, die Anderen in ihrer vertrauten und (noch) schillernden Welt verharren. 

Die musikalische Begleitung mit Liedern im Stil der 20er Jahre und auch der exzentrische Conférencier, der das Theaterpublikum ganz direkt anspricht, lassen die Zuschauer:innen völlig in das Zeitgeschehen eintauchen.

Der Hintergrund

„Cabaret“ basiert auf dem Theaterstück „I Am a Camera“, welches 1951 von John Van Druten geschrieben wurde. Dieses wiederum basiert auf dem Sammelband „The Berlin Stories“, den Christopher Isherwood 1945 veröffentlicht hat. Letzterer ist stark inspiriert von den eigenen Erfahrungen des Autors und seinen Erlebnissen im Berlin der 1930er Jahre und der Machtübernahme der Nationalsozialisten. 1963 ließ der Broadway-Produzent Hal Prince das Theaterstück dann von Joe Masteroff und Fred Ebb zu einem Musical umarbeiten. Die Intention war hierbei von Anfang an nicht nur simple Unterhaltung zu bieten, sondern die Besucher:innen zum Nachdenken anzuregen. 

Sozial-politische Entwicklungen in den USA, besonders die Bürgerrechtsbewegung, prägten die Planung und Umsetzung des Musicals. Hal Prince wollte mögliche Parallelen zwischen dem Nationalsozialismus und dem Rassismus in den USA aufzeigen und auf die Gefahr aufmerksam machen, dass das Gleiche auch dort passieren könnte.

Diese und weitere Thematiken, wie bspw. die der Abtreibung, ließen die Produzenten bis zur Erstaufführung teils an dem Erfolg des Musicals zweifeln. Eine Sorge, die sich glücklicherweise nicht bewahrheiten sollte. „Cabaret“ gewann acht Tony Awards und wurde 1972 verfilmt.

70 Jahre – aktueller denn je

Obwohl das Musical im November 2026 bereits 70 Jahre alt wird, ist es brandaktuell. Noch immer bewegt das Stück und liegt am Puls der Zeit. Denn zum einen thematisiert es noch heute aktuelle gesellschaftliche Diskurse und Probleme, wie Antisemitismus, Rassismus oder das Recht auf Abtreibung. Zum anderen macht „Cabaret“ auf eine sehr universelle Frage, nämlich die der Verantwortung, aufmerksam. Wie viel Macht hat ein Individuum? Wann müssen wir handeln? Was passiert, wenn wir es nicht tun? Diesen und weiteren Fragen ist man als Zuschauer:in unweigerlich ausgesetzt, sobald es zum Ende des Musicals kommt. Für einige mag es einer gewissen Desensibilisierung entgegenwirken, wie sie heute oft durch Informationsüberflutung entsteht. Denn Cabaret überfordert nicht mit einer Masse an immer neuen Handlungen und Charakteren. Vielmehr führt es das Publikum in knapp drei Stunden an die Botschaft heran und lässt die Eindrücke für sich sprechen. 

Gleichzeitig ist nicht zuletzt durch die Musik gute Unterhaltung geboten. Wer dies live erleben möchte und bereit ist, sich der eigenen Verantwortung neu bewusst zu werden und die eigenen Einstellungen und Handlungen zu reflektieren, kann dies in Düsseldorf im D'Haus erleben.

Studierende unter 30 Jahren erhalten dort Rabatt und zahlen im Großen Haus für alle Platzkategorien lediglich 8€ Eintritt. Andernfalls kann auch die gleichnamige Verfilmung aus 1972 auf Amazon Prime gestreamt oder die gefilmte Bühnenproduktion von 1993 kostenlos auf YouTube angesehen werden. Beides weicht jedoch ggf. leicht von der Originalversion ab. 

Doch egal für welche Produktion man sich am Ende entscheidet, Cabaret wird bewegen und ergreifend sein, sofern man sich darauf einlässt. 

 

Cabaret im Düsseldorfer Schauspielhaus

Cabaret im Düsseldorfer Schauspielhaus

Wo?
Gustav-Grüngens-Platz 1
40211 Düsseldorf

Nächste "Cabaret" Aufführung:
Sa, 16.05.2026 / 19:30 - 22:30 im Großen Haus 
Mi, 08.07.2026 / 19:30 - 22:30 im Großen Haus
Neue Termine werden regelmäßig veröffentlicht.

Preise:
15€ - 54€ 
Kinder, Schüler: innen, Studierende, Auszubildende und Freiwilligendienstleistende zahlen 8€ auf allen Plätzen