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Kultur

Redaktion:
Man sieht einen Aufsteller mit dem Poster und Titel des Musicals "Romeo und Julia".
Das Musical hat ein temporäres Zuhause im Düsseldorfer Capitol Theater gefunden (Foto: Lea Seegers)

Romeo und Julia – Liebe ist alles

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Er stirbt für sie. Sie stirbt für ihn. Doch ihre Liebe überlebt beide. William Shakespeares Tragödie erzählt von zwei jungen Menschen, deren Liebe an der Feindschaft ihrer Familien scheitert.

Romeo und Julia zählen bis heute zu einem der berühmtesten Liebespaare der Literaturgeschichte. Seit dem 26. August wird das Theaterstück „Romeo und Julia – Liebe ist alles“ im Capitol Theater in Düsseldorf neu erzählt. Untermalt von Pop-Songs und Choreografien verwandelt wird aus dem Klassiker ein modernes Musical: „Nie war Julia so wild, nie war Romeo so sexy, nie war Mercutio so verliebt“, heißt es auf der Webseite des Theaters. So wird klar, dass es sich hier um keine traditionelle Inszenierung des Klassikers handelt.

Eine verbotene Liebe

Inhaltlich bleibt die Inszenierung dem Original größtenteils treu. Die Geschichte spielt im italienischen Verona des 16. Jahrhunderts. Romeo (Cedric Schröter) und Julia (Laura Schatz) treffen bei einem Fest auf Julias Anwesen aufeinander und verlieben sich auf den ersten Blick. Doch ihre Familien, die Capulets und die Montagues, sind seit Jahren verfeindet. Zusammen mit Julias Amme (Nadine Lauterbach) und Romeos Freunden Mercutio (Tim Taucher) und Benvolio (Dominik Räk) schmieden sie einen Plan, wie sie trotz der Feindschaft ihrer Familien heiraten können. Doch als Romeo in einem Duell einen seiner Feinde tötet, muss er ins Exil und so beginnt das tödliche Ende der beiden Liebenden. 

Andere Hauptrollen sind Pater Lorenzo (Pascal Cremer), ein Verbündeter von Romeo, und der Todesengel (Giuseppe Dulcetta), welcher durch seinen Operngesang den Tod musikalisch untermalt.

Zwischen alt und neu

Das Musical zeichnet sich besonders durch die Mischung von klassischen und modernen Elementen aus. Shakespeares Werk behält dadurch seinen authentischen und zugleich unterhaltsamen Charakter. Die Sprache in den Dialogen scheint beispielsweise aus neuer sowie alter Sprache zu bestehen. So entsteht das Gefühl, dass die Geschichte vor einigen Jahrhunderten spielt. Es müssen aber keine altdeutschen Dialoge entschlüsselt werden.

Auch die Songs haben einen modernen Touch. Nach dem ersten Aufeinandertreffen des Liebespaares heißt es im Song namens „Das Schönste“: „Doch ich kann kaum stehen / seitdem ich dich traf / weil der Kuss viel zu kurz war.“ Die Songs erinnern an heutige Pop-Songs und animieren das Publikum zum Klatschen und Wippen mit den Füßen. Sowohl Balladen als auch catchy Ensemble-Songs untermalen die Geschichte an den richtigen Stellen.

Hinzu kommt das beeindruckende Gesangstalent der Darsteller:innen. Herausstechend ist die Performance von Julias Amme, welche das Publikum durch ihre humorvolle Inszenierung einer fürsorglichen Frau mittleren Alters oft zum Lachen bringt. Ihr Song „Hormone“ ist ein echtes Highlight: „Oh Wallung, oh Migräne, mein Herz hört, wie es rast / Jugend will Romantik, schaufelt dabei ihr eigenes Grab / Ach, das sind die Hormone.“ Humor zieht sich durch das gesamte Musical und bringt eine Leichtigkeit in die tragische Geschichte. Auch die schauspielerische Leistung der Darsteller:innen unterstreicht den Humor der Inszenierung. Durch Gestik, Mimik und Sprechpausen sorgen sie an den richtigen Stellen immer wieder für Lacher im Publikum.

Das Bühnenbild und die Kleidung werden simpel gehalten, aber durch Lichteffekte und eine bewegliche Bühne zum Leben erweckt. Zum Beispiel gibt es den ikonischen Balkon, auf welchem Romeo und Julia den Plan schmieden, zu heiraten. Eine Szene beinhaltet nur die zwei Liebenden und dutzende Stehlampen auf einer sich drehenden Platte, während sie ein Duett singen. Mit simplen Elementen wird das Publikum so emotional mitgerissen. Die Kostüme sind in ihren Grundrissen von der damaligen Kleidung inspiriert, es gibt aber keine pompösen Kleider oder Korsetts. Für den Großteil des Stücks trägt Julia ein simples weißes Minikleid und offene, gewellte Haare, was dem Musical wieder ein Stück Modernität verleiht. Julias Mutter trägt eine extravagante, orangene Perücke, die zu ihrem lauten und frechen Charakter passt.

Liebe ist alles

Obwohl das Ende des Stücks wohl den meisten Besucher:innen bekannt ist, fiebert man mit und hofft, dass die Liebe schlussendlich doch siegt. Denn wie der Titel des Musicals und der Titelsong schon verraten: „Liebe ist alles“. Der Song wird beim Höhepunkt der Handlung gesungen und bringt die zentrale Botschaft des Stücks auf den Punkt: Romeo und Julia handeln einzig und allein wegen der Liebe. Sie zeigen, dass diese über jeder Feindschaft und jedem Hindernis steht.

Nach dem Ende der Geschichte, welche sich dann doch an der Originalhandlung orientiert, kommt der gesamte Cast nochmal in Alltagskleidung auf die Bühne zurück. Zusammen singen sie eine Zugabe des Titelsongs und laden das Publikum zum Mitsingen ein. Auch die Publikumsfavoritin, Julias Amme, gibt eine Zugabe ihres Songs „Hormone“.

Insgesamt lohnt sich ein Besuch des Musicals für alle Besucher:innen, egal welchen Alters. Ob Shakespeare-Fan oder nicht, eins ist sicher - man verlässt das Theater auf jeden Fall mit dem ein oder anderen Ohrwurm.

Zum Hintergrund des Musicals

Das Musical wurde von den Komponisten und Textern Peter Plate und Ulf Leo Sommer kreiert. Die Idee hatten sie bereits 2014. Die insgesamt 28 Songs sind größtenteils neue Kompositionen des Duos zusammen mit Joshua Lange. Im März 2023 folgte die Uraufführung im Berliner Theater des Westens. Seit August 2026 ist „Romeo und Julia – Liebe ist alles“ nun auf großer Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. In Deutschland ist das Musical unter anderem in Köln, Duisburg und aktuell bis zum 25. Oktober in Düsseldorf zu sehen. 

Redigat: ms

Wann und wo

„Romeo und Julia - Liebe ist alles“ ist noch bis zum 25. Oktober im Capitol Theater Düsseldorf zu sehen, das sich direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs befindet. Insgesamt dauert die Show zwei Stunden und 45 Minuten, mit einer Pause zwischen den Akten. Tickets gibt es online ab 29, 99€. Vom 14. bis zum 18. Oktober übernimmt Tom Neuwirth alias Conchita Wurst die Rolle des Todesengels, was ein weiteres Highlight in Düsseldorf sein wird.