Kultur

Lesen im Wandel
Studierende verlernen das Lesen. Zumindest könnte man diesen Eindruck bekommen, wenn man sich mit der aktuellen Debatte über das Leseverhalten junger Menschen beschäftigt. Verschiedenen Berichten zufolge ist die Lesekompetenz von Studis in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Viele greifen lieber zum Handy, anstatt ein Buch zu lesen, wodurch das Scrollen am Smartphone einen immer größeren Platz im Alltag einnimmt, während das Lesen immer weiter in den Hintergrund rückt.
Doch warum ist das so? Ob Pomodoro-Technik, Digital Detox oder ein Besuch der Frankfurter Buchmesse: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das Lesen wieder attraktiver zu machen. Auch Serien wie „Off Campus“ können dazu beitragen, die Lust auf die Buchvorlage zu wecken und wieder öfter zum Buch statt zum Handy zu greifen.
Lesen im digitalen Zeitalter
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Studierenden das Lesen immer schwerer fällt. Einer davon ist Social Media. Kurze Videos, knappe Captions und eine schnelle Abfolge unterschiedlicher Inhalte sorgen für eine permanente Reizüberflutung. Das führt dazu, dass es vielen Studis zunehmend schwerfällt, sich über einen längeren Zeitraum auf einen Text zu konzentrieren. Ein Buch zu lesen verlangt nämlich Zeit, Geduld und eine hohe Aufmerksamkeit.
Eine weitere Ursache ist die digitale Entwicklung. Durch künstliche Intelligenz und das Umsteigen auf digitale Medien fällt vielen Studierenden das eigenständige Lesen längerer Texte schwerer. Obwohl fortlaufend neue Regelungen im Umgang mit KI auftauchen, scheint KI das „Nicht-Denken“ zu begünstigen, da sich z. B. immer mehr Menschen Texte einfach und schnell zusammenfassen lassen und so Lese- und Textverständnis zurückgehen. Das führt dazu, dass Fachliteratur von Dozierenden an Universitäten gekürzt und vereinfacht zum Lesen freigegeben wird. Außerdem wird vermehrt darauf geachtet, Bücher auszuwählen, die weniger komplex sind, um den Studierenden nicht den Spaß am Lesen zu nehmen. Das kann besonders im Studium problematisch werden, da beim Lesen von Texten nicht nur die Zusammenfassung reicht, sondern man sich intensiv mit der Handlung und dem Aufbau des Textes oder Buches auseinandersetzen sollte. Entscheidend ist nämlich oft, was zwischen den Zeilen passiert.
Der schwerste Part: dem Handy widerstehen
Es gibt viele Möglichkeiten, die Aufmerksamkeitsspanne zu trainieren und wieder mehr lesen zu können. Unter anderem der sogenannte „Digital Detox“. Diesen gibt es in unterschiedlichen Varianten. Es geht dabei darum, eine bewusste und aktive Pause von digitalen Medien einzulegen und somit die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken, wie beispielsweise das Lesen. Eine Variante besteht darin, 15–30 Minuten an eine leere Wand zu starren und sich direkt danach einem Buch zu widmen. Klingt erstmal herausfordernd, funktioniert aber bei vielen. Ansonsten kann auch die bekannte Pomodoro-Technik Abhilfe schaffen (siehe Infokasten). Diejenigen, die es noch extremer mögen, können sich ein Klapphandy besorgen und schauen, wie lange sie es ohne die ständige Verfügbarkeit von Social Media aushalten. Um das Ganze attraktiver zu machen, kann das Klapphandy auch mit Glitzersteinen verschönert werden. Aber nicht nur das Klapphandy kann einen neuen Look bekommen, sondern auch die Bücher. Aktuell bekleben viele Studis ihre Bücher mit Stickern und Steinen. Ob Goethe, Kafka oder Fitzek, alles lässt sich verzieren. So kommt die Leselust dann doch vielleicht von ganz alleine wieder.

Die Pomodoro-Technik
Aufgabe finden (bspw. lesen oder Hausarbeit)
Handy ausschalten und weglegen
Einen Timer auf 25 Minuten stellen und mit der Aufgabe beginnen
Fünf Minuten Pause machen, aber OHNE Handy (bspw. Bewegung, Trinken holen etc.)
Mehrfach wiederholen
Funfact: Der Name „Pomodoro-Technik“ kommt von einer tomatenförmigen Küchenuhr.

Vom Buch zur Serie
Viele Trendserien der aktuellen Stunde lassen sich auf Bücher zurückführen, wie zum Beispiel die Serien „Off-Campus“ und „Heated Rivalry“. Dass in letzter Zeit so viele Serien auf Büchern basieren, kann einige Vorteile mit sich bringen. Der Fokus wird so wieder auf die Bücher gelegt und sie können dadurch ein modernes Flair und mehr Aufmerksamkeit bekommen. Auch schon vor dem Serienhype gab es einige moderne Verfilmungen von Klassikern, die die Leselust für das Originalbuch wecken können, wie der Film zum Buch „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Solche Verfilmungen können dazu führen, dass sich Studierende mehr untereinander austauschen und eher dazu neigen, sich nach dem Anschauen der Serie die Bücher zu kaufen. Das ist zum Beispiel auch zu sehen an der kanadischen Sport-Serie „Heated Rivalry“. Das erste Buch der „Heated Rivalry“-Reihe ist im Jahr 2019 erschienen und hat durch die Serie so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass viele sich schon nach der ersten Staffel die ganze Buchreihe angeschafft haben.
Buchverfilmungen bringen im Allgemeinen viele Vorteile mit sich. In dem Buch komplex beschriebene Welten können in Verfilmungen einfacher erklärt und die Landschaften visuell erlebbar gemacht werden. Zudem gibt es häufig einen Perspektivwechsel einer Figur, den es im Buch noch nicht gab. Jedoch werden solche Verfilmungen auch immer mit Angst begleitet, denn oft schwingt als Leser:in mit, durch zu hohe Erwartungen enttäuscht zu werden. Denn wer bereits das Buch zur Serie gelesen hat, hat eigene Vorstellungen von den jeweiligen Figuren, Orten und auch Stimmungen. Um dem entgegenzuwirken, nehmen manche Regisseur:innen von Buchverfilmungen Fans mit an Bord, um möglichst alle Erwartungen der Lesenden zu erfüllen. Beispielsweise im Film „It ends with us“. Der Film aus dem Jahr 2024, basierend auf dem gleichnamigen 2016 erschienenen Buch von Colleen Hoover, entstand in Zusammenarbeit mit Fans.
Daher kann die Verbindung von Film, Literatur und eigenen Beteiligungsmöglichkeiten das Lesen noch attraktiver machen. So können Literatur und die dazugehörige Verfilmung voneinander profitieren und eventuell wieder mehr zum Lesen anregen.

Die Frankfurter Buchmesse als Inspirationsquelle
Auch eine ganz bestimmte Messe könnte dabei helfen, neue Bücher und vor allem wieder die Lust am Lesen zu entdecken. Zwischen dem 7. und 11. Oktober 2026 ist es nämlich wieder so weit: Die Frankfurter Buchmesse (FBM) steht an. Die FBM gibt es bereits seit September 1949. Das Ziel der Messe ist es, dazu beizutragen, die Buchbranche zu unterstützen und gleichzeitig Leute zum Lesen zu bewegen. Durch die FBM können Leser:innen daher neue Inspiration sammeln und für Verlage und Autor:innen gibt es die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und Networking zu betreiben.
Dieses Jahr gibt es bei der Frankfurter Buchmesse einige Änderungen. Es stehen viele neue Sitzgelegenheiten zum Ausruhen bereit. Zudem wird es eine Creator-Lounge geben, in der alles für diejenigen gestreamt wird, die nicht vor Ort dabei sein können. Des Weiteren werden im Erdgeschoss alle Stände von den Verleger:innen ausgestellt sein, während die oberen Hallen auf das internationale Geschäft ausgerichtet sind. Das bedeutet, es wird um einiges übersichtlicher und auch abwechslungsreicher als die Jahre zuvor. Wer nach stundenlangem Stöbern dann doch eine Pause braucht und trotzdem nichts verpassen möchte, kann verschiedene Vorträge von Fachpersonen und Autor:innen besuchen und neuen Input zu den unterschiedlichsten Themen erhalten. Über den Tag werden auch viele verschiedene Goodies verlost. Bekannte Autor:innen wie Mareike Fallwickl, Mona Kasten und viele weitere bieten die ganzen Tage zu unterschiedlichen Zeiten Signierstunden an.
Tipps und Tricks, wie der Besuch angenehmer und übersichtlicher wird, gibt es inzwischen viel auf Social Media. Beispielsweise wird empfohlen, einen Zwiebellook anzuziehen, also mehrere Schichten an Klamotten, die man bei Bedarf anziehen oder ausziehen kann. So lässt es sich ohne zu frieren oder zu schwitzen zwischen dem Innen- und Außenbereich wechseln. Des Weiteren sollte genug Verpflegung mitgenommen werden, um mehr Geld für Bücher ausgeben zu können, da das Essen vor Ort häufig etwas teurer ist. Mehr Infos zum Programm sind hier zu finden. Für Studierende gibt es Ermäßigungen. Ein Tagesticket kostet 25 €.
Redigat: ms
