Kultur

Geniale Freundin? Geniales Buch!
Ein Gastbeitrag von Victoria Ivanejko
Der Roman „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante ist der erste Band der sogenannten Neapel-Saga. Die Geschichte beginnt in den 1950er Jahren in einem einfachen Stadtteil von Neapel. Im Mittelpunkt stehen zwei Mädchen: Elena (Lenu) Greco und Raffaella (Lila) Cerullo. Sie wachsen in schwierigen Verhältnissen auf. Gewalt, Armut und strenge Regeln prägen ihren Alltag.
Die beiden sind sehr klug und ehrgeizig. Schon früh entsteht zwischen ihnen eine enge, aber auch komplizierte Freundschaft. Sie spornen sich gegenseitig an, vor allem in der Schule. Doch ihre Lebenswege entwickeln sich unterschiedlich. Elena darf weiter zur Schule gehen und später studieren. Lila muss die Schule früh verlassen und im Geschäft ihrer Familie arbeiten. Der Roman zeigt, wie stark Herkunft, Geld und gesellschaftliche Erwartungen das Leben von Mädchen und Frauen beeinflussen können.
Ferrante beschreibt die Gefühle ihrer Figuren sehr genau: Neid, Bewunderung, Angst, Liebe und Wut. Die Geschichte ist ehrlich und manchmal schonungslos. Gleichzeitig erzählt sie von Hoffnung und vom Wunsch nach einem besseren Leben. Bildung wird im Roman zu einem wichtigen Thema. Sie ist ein Weg aus der Armut, aber auch eine große Herausforderung mit einigen Hindernissen.

Ein Schatten als Autor?
Besonders interessant ist die Anonymität der Autorin. Elena Ferrante ist ein Pseudonym. Bis heute ist nicht offiziell bekannt, wer sich dahinter verbirgt. Die Autorin selbst sagt, dass ihre Bücher für sich sprechen sollen. Sie möchte nicht als Person im Mittelpunkt stehen. Diese Entscheidung hat viele Diskussionen ausgelöst. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wurden ihre Romane weltweit ein großer Erfolg.
Eine bewegende Geschichte
Für viele Leserinnen kann das Buch sehr bewegend sein. Als Frau und Studentin wirkt die Geschichte besonders ansprechend. Elena versteckt sich nicht hinter ihren Büchern, sondern nutzt sie bewusst als Schutz gegen die schwierigen Verhältnisse, in denen sie aufwächst, und Lila stellt sich der Welt mit ihrem nackten Stolz. Es lässt sich sagen, dass jeder Mensch etwas von den beiden lernen könnte. Das Buch kann ein Gefühl von Dankbarkeit für die eigenen Rechte und Möglichkeiten hervorrufen, die im Alltag manchmal übersehen werden. Heute ist es für viele Frauen selbstverständlich zu studieren, doch der Roman zeigt, dass das nicht immer so war und auch heute nicht überall so ist.
Manchmal wird sogar das eigene Studium hinterfragt. Es stellt sich die Frage, ob es der richtige Weg ist. Durch das Buch kann gelernt werden, Bildung mehr wertzuschätzen. Bildung ist nicht nur ein Abschluss. Sie bedeutet Freiheit, Selbstständigkeit und die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten. Diese Erkenntnis kann die Einstellung zum Leben dauerhaft verändern.
Buchverfilmung
Die Neapel-Saga wurde auch als Serie verfilmt. Die Serie trägt denselben Titel wie der erste Band: „Meine geniale Freundin“. Sie wurde unter anderem vom italienischen Sender RAI sowie HBO produziert. In Deutschland kann man sie zum Beispiel über Sky Deutschland oder über Streaming-Angebote wie Prime Video ansehen (je nach aktuellem Angebot). Die Serie hält sich eng an die Romanvorlage und macht die Atmosphäre von Neapel und die intensive Freundschaft der beiden Mädchen eindrucksvoll sichtbar.
„Meine geniale Freundin“ ist mehr als eine Geschichte über zwei Freundinnen. Es ist ein Roman über das Erwachsenwerden, über soziale Ungleichheit und über die Kraft von Bildung. Für Studierende bietet das Buch viele Anknüpfungspunkte und vielleicht auch neue Motivation, den eigenen Weg weiterzugehen oder sogar neue Wege zu erschaffen.