Kultur

„Es hat einfach gepasst"
Die Indie-Band The Sophs aus Los Angeles sorgt derzeit mit ihrem neuen Album „GOLDSTAR“ für Aufmerksamkeit. Im Interview mit Emma aus der Musikredaktion sprachen Bassist Cole Bobbit und Frontsänger Ethan Ramon über ihre Anfänge als Band und musikalische Einflüsse. Dabei wurde auch deutlich, wie sehr ihre Freundschaft das Leben auf Tour prägt.

Seit September 2024 machen The Sophs nun mittlerweile gemeinsam Indie-Rock-Musik, gepaart mit einem Songwriting, das den einen oder anderen eher an britische Indie-Bands erinnert. Die Band besteht aus Ethan Ramon, Sam Yuh (Keyboard), Austin Parker Jones (E-Gitarre), Seth Smades (Akustikgitarre), Devin Russ (Schlagzeug) und Cole Bobbitt (Bass).
Musikalisch lassen sie sich nur schwer in ein einzelnes Genre einordnen: Ihre Songs bewegen sich zwischen Indie, Rock, Pop-Punk und vereinzelt sogar Funk-Elementen. Am 13. März 2026 erschien ihr Debüt-Album "GOLDSTAR". Mit diesem gehen The Sophs 2026 erneut auf Tour durch Europa und spielen dabei auch viermal in Deutschland.
Schön, euch kennenzulernen! Zu Beginn starten wir erstmal mit einer Frage zu eurer Bandgeschichte. Mich würde interessieren, wie ihr euch als Band kennengelernt habt ?
Ethan: Sam, unser Keyboardspieler, und ich haben uns in der Highschool kennengelernt. Um diese Zeit rum habe ich auch Seth in Austin kennengelernt. Die beiden spielen jeweils auch Gitarre und sind etwas älter als ich. Mit der Zeit haben wir sporadisch immer mehr gemeinsam musikalisch in Phoenix, Arizona, zusammengearbeitet. Jahre später sind wir alle nach und nach separat nach Los Angeles gezogen und haben uns auf diese Weise zu einem eher zweitrangigen Nebenprojekt „The Sophs” zusammengefunden. Wir waren alle aus verschiedenen Gründen und mit verschiedenen anderen Musikern oder Bandprojekten eingespannt. In Los Angeles trafen wir unseren Bassisten Cole und Devin und unseren Drummer, der eigentlich aus Florida kommt. Es hat einfach gepasst.
Klingt, als hättet ihr direkt einen super Draht zueinander gehabt!
Cole: Absolut! Ethan und ich waren sehr gut befreundet, bevor wir mit der Band angefangen haben.
Ist das nicht die beste Grundvoraussetzung? Erst diese Freundschaftsbasis hin zum gemeinsamen Arbeiten. Das erleichtert das Ganze, oder?
Ethan: Definitiv, Musik als gemeinsamer Anhaltspunkt und als gemeinsames Interesse wird nie langweilig, es gibt immer neue Themen und manchmal ist es ohnehin alles, worüber wir reden wollen.
Cole: Unsere Freundschaft bedeutet mir viel. Diese Chemie auf der Bühne oder im Studio hat man nun mal nicht mit jedem.
Stimmt genau. Das bringt mich auch direkt zur nächsten Frage. Was ist euer Lieblingsaspekt daran, in einer Band zu sein? Fällt euch etwas ein, was ihr daran besonders mögt?
Ethan: Die Möglichkeit, zu reisen, ist nicht zu übertreffen. Die Welt durch die Augen eines tourenden Musikers zu sehen, erlaubt uns, zu reifen und verschiedene Perspektiven oder Sichtweisen aufzusaugen und Erfahrungen zu machen, die wir sonst nie hätten machen können. Davon abgesehen erarbeitet man sich dadurch eine gute Arbeitsethik. Ich liebe es, zu touren und Zeit mit meinen Freunden verbringen zu können. Es macht mich genauso euphorisch wie die Musik selber. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, Musik so oft spielen zu dürfen.
Um direkt daran anzuknüpfen. Gibt es als Gruppe bei euch kollektiv Bands oder Künstler:innen, auf die ihr euch gemeinsam einigen könnt, und wenn ja, wie beeinflussen diese euch?
Ethan: Das ist witzig, da wir als Sechsergespann nur so gut funktionieren, wie wir es nun mal tun, da wir solch unterschiedliche Musikgeschmäcker haben. Ich sage immer gerne, die einzige Band, auf die wir uns einigen können, sind „The Sophs”. Auch wenn unsere Perspektiven und Präferenzen sich doch sehr unterscheiden, ist unsere Sensibilität als Künstler gegenüber der Musik kein Problem. Wir arbeiten einzeln auf einem hohen Level und wir wissen, wenn ein Song gut ist, und wir wissen, wenn ein Part gut ist. Wir vertrauen uns gegenseitig in der Band.
Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn man euer Album einmal durchhört, sind viele verschiedene Klänge und Instrumente dabei. Was ich besonders interessant fand, waren Parts, die mich an Ska-Musik oder teils sogar an Reggae-Beats erinnert haben. Es war sehr interessant zu sehen, wie jeder von euch einzeln seine eigenen Einflüsse mit einfließen lässt.
Ethan: Definitiv, alle unsere Identitäten sind in der Musik zu finden.
Die Frage ist etwas gemein. Aber wenn ihr euch egal wen, ob tot oder lebendig, zum Kollaborieren aussuchen dürftet, wen würdet ihr auswählen?
Cole: Schwere Frage. Keine Ahnung, das kommt sehr stark auf den Tag an. Aber heute würde ich mich, glaube ich, für die Rolling Stones entscheiden.
Gute Wahl! Für wen entscheidest du dich, Ethan?
Ethan: Ich würde vermutlich meine Ex-Freundin wählen. Sie ist nicht musikalisch oder Ähnliches, aber mit ihr zusammenzuarbeiten würde bedeuten, ich würde sie nochmal sehen.
Cole: Moment, dann entscheide ich mich auch nochmal für meine Ex-Freundin.
Nun würde ich aber ein bisschen mehr über das Album und die Tour sprechen wollen. Wie läuft euer Songwriting-Prozess? Wie schreibt ihr gerade als Gruppe eure Songs? Nehmt uns mal gerne etwas durch diesen Prozess mit.
Ethan: Besonders mit „GOLDSTAR“ haben wir mit einem Konzept für das Album begonnen und uns nach außen weitergearbeitet. Wir mussten zuerst herausfinden, worüber wir sprechen wollten und wie wir das sagen wollten. Manchmal habe ich Lyrics geschrieben oder manchmal hatte ich auch zuerst eine Melodie. Der Song wurde dann durch Vocals und das Klavier mit Akustikgitarren zusammengeschustert, da haben Sam und ich oftmals die Köpfe zusammengesteckt. Es ist wie eine Art Skelett zusammenzubauen. Damit sind wir dann zum Rest der Band, um ihre musikalischen Entscheidungen und ihre Expertise dazuzuholen, um dem Skelett Leben zu verschaffen. Es startet recht klein und dadurch ist jeder Song gewachsen.
Interessant. Gerade bei Bands ist es spannend zu erfahren, ob ihr euch quasi Ideen präsentiert oder ob gemeinsam getextet wird, teils ja sogar in einzelnen Subgruppen wie bei den Beatles. Euer Prozess klingt nach einem sehr runden Start.
Cole: Das Schönste an unserer Art, die Dinge anzugehen, ist, dass niemand von uns eine Aufgabe übernimmt, in der man nicht gut ist. Ethan ist super im Schreiben von Lyriks, Austin und Seth sind sehr gut in der musikalischen Gesamtgestaltung und sehen Parts, die zusammenpassen, bevor die anderen es sehen. Sam hat ein besonderes Gehör für Harmonien und Melodien. Devin und ich, würde ich sagen, haben ein ausgeprägtes Gefühl für den Rhythmus eines Tracks. Jeder von uns baut auf seine Stärken, so kommen wir uns auch nicht in die Quere. Wir kennen alle unseren Platz innerhalb der Band, das ist sehr cool.
Umso wichtiger bei eurer Dynamik, das ist wirklich cool. Vielleicht könnt ihr mir nun etwas mehr zur Tour verraten. Ich schätze, es kann schwierig werden, eine Trackliste für ein Album oder eine Setliste zusammenzustellen. Welche Songs schaffen es und welche nicht?
Ethan: Unser Set ist so lang, dass kein einzelner Song nicht gespielt wird! Das macht es deutlich einfacher. Das Schwierigste hierbei ist für uns eigentlich, die Zeit komplett auszufüllen. Manchmal spielen wir daher noch unveröffentlichte Lieder, B-Seiten oder auch Cover, um das Set fließen zu lassen. Wir sind sehr stolz auf unsere Setliste.
Spielt ihr die Songs chronologisch wie auf dem Album angeordnet?
Ethan: Nein, wir haben mittlerweile eine besondere Reihenfolge, von der wir finden, dass diese sehr gut live funktioniert. Wir haben das bisher intakt gehalten, sogar so ziemlich seit unserer ersten Show.
Bleiben wir bei dem Thema Tour. Welcher Song des Albums hat sich im Kontext einer Liveshow am meisten verändert im Gegensatz zur Studioversion?
Ethan: Die Frage mag ich. Bei „A SYMPATHETIC PERSON” merke ich, dass es sich ziemlich stark verändert hat. Vielleicht “DEATH IN THE FAMILY” noch, das spielen wir um einiges schneller auf der Bühne.
Cole: Oh ja, wir wussten nicht einmal, dass wir es sonderlich schneller spielen, bis es Zeit wurde, eine Liveaufnahme des Songs zu machen. Als wir es in dem Tempo der Aufnahme spielten, haben wir dann erst so richtig realisiert, wie unglaublich langsam es im Original ist. “A SYMPATHETIC PERSON” spielen wir ganz anders, da wir an der Stelle, wo wir’s live spielen, sichergehen wollten, dass es besonders gut klingt und spannend bleibt, auch für uns.
Mögt ihr die Live-Version vielleicht sogar ein Stück weit lieber als das Original?
Ethan: Ja schon. Ich denke nur, dass diese Version andere Emotionen und Intentionen hervorholt. Aber ob ich diese lieber auf „GOLDSTAR“ austauschen würde, da bin ich mir nicht so sicher. Es schafft einen guten klanglichen Kontrast zur Studioversion. Ich habe aber zugegeben offensichtlich mehr Spaß bei der Live-Performance.
Ich bin zwar keine Musikerin, aber das ergibt 100 % Sinn. Wenn man dabei keinen Spaß hat, macht man etwas falsch, nicht wahr?
Cole: Exakt. Darum geht es ja schließlich im Endeffekt. Das ist uns auch das Wichtigste.
Was ist euer Lieblingspart daran, auf Tour zu sein?
Cole: Ich liebe es, besonders früh aufzuwachen in einem komplett überfüllten, stickigen Van. Das ist definitiv mein Lieblingsaspekt. Ich liebe es, immer nah bei Ethan und den anderen zu sein. Aber besonders nah bei Ethan in unserem vollen, überfüllten Van.
Ethan: Neun erwachsene Männer zusammen in einem kleinen Van, die einfach Spaß haben. Gestern haben wir sogar eine Naturdokumentation herausgebracht. Vielleicht ist das sogar soweit mein Lieblingspart auf der Tour.
Cole: Manchmal spielen wir Shows und hin und wieder Videospiele.
Um nach der Show herunterzukommen?
Ethan: Schon, nach einem Auftritt herunterzukommen, ist schwierig. Nichtexistent eigentlich. Dieser Adrenalinschub ist verrückt.
Cole: Eine gute Umarmung von Ethan bringt mich danach immer auf den Boden.
Ethan: Eine gute Umarmung von Cole wühlt mich auf und regt mich eher auf.
Cole: Hey!
Neun erwachsene Männer in einem überfüllten Van sollte übrigens vielleicht euer nächster Titel für die nächste Naturdokumentation werden, wo ich gerade so drüber nachdenke.
Ethan: Guter Plan. Es ist zwar sehr überfüllt, aber die Konversationen und Scherze zwischen uns als Freunden sind wundervoll und ich würde es für nichts auf der Welt tauschen wollen und auch mit niemandem lieber verreisen.
Toll! Gibt es etwas, worauf ihr euch in Deutschland besonders freut?
Cole: Schnitzel und Sauerkraut!
Ethan: Bisher hatte ich immer nur eine gute Zeit in Deutschland. Ich hatte zwar schon in jedem anderen Land, in dem ich bis dato war, auch schon schlechte Tage, aber nie in Deutschland. Ich freue mich, diese Glücksträhne fortzusetzen. Wir werden sehen, ob meine Glückssträhne hier endet.
Was war denn der schönste oder witzigste Fan-Moment, den ihr mit einem Fan erlebt habt? Fällt euch da eine Geschichte ein?
Cole: Ich habe eine positive Geschichte, falls du die hören magst. Da gab es eine Gruppe an Kindern, die zu dem „End Of The Road“-Festival kamen, als wir zum ersten Mal in den UK waren. Das waren Teenager. Vor kurzem waren wir nochmal fast genau ein Jahr später in Bristol und diese Teenager sind richtig groß geworden. Nun sind sie in der Highschool und mittlerweile richtig erwachsen geworden. Sie brachten ihre Eltern mit und wir haben eins der Fotos, die wir damals beim „End Of The Road“-Festival gemacht hatten, nachgestellt. Einer von denen ist nun sogar auch in einer Band.
Vielleicht habt ihr sie ja sogar beeinflusst?
Cole: Das haben sie zwar so nicht gesagt, aber ich würde nun schon gerne seine Musik hören. Es gibt nicht viel Musik, die ich nicht hören würde. Ich höre alles.
Ethan: Das kann ich bezeugen, ich war schon mal mit ihm im Auto und er hatte Kontrolle über die Playlist, er hat recht.
Cole: Ich höre gerne K-Pop und Ethan mehr J-Pop
Ethan: Stimmt, du bist ein großer, bekennender K-Pop-Fan.
Cole: Ich höre mehr Tom Waits oder Elliot Smith und Ethan hört mehr so K-Pop und J-Pop.
Ethan: Er macht gerade nur Spaß. Er nennt meine Lieblingssongs und Künstler.
Ich kann gerade nicht entscheiden, wer hier gerade die Wahrheit spricht!?
Cole: Ich hab gerade einfach alle seine Lieblingskünstler:innen gennant (lacht)
Ethan: ..und sagt, ich mag K-Pop, obwohl er seine Haare gefärbt hat, um wie ein K-Pop-Künstler auszusehen.
Cole: Was ist daran so falsch? Es sieht doch gut aus? Emma stimmt mir auch zu!
Was ist deine echte Haarfarbe?
Cole: Sehr dunkel, fast wie Ethans Haare.
Ethan: Aber er wollte in Deutschland optisch reinpassen und hat sie sich blond gefärbt. Kannst du uns denn vielleicht was auf Deutsch beibringen?
Nun ja, was möchtet ihr denn wissen?
Cole: Am besten Hallo und Dankeschön!?
Ich bin immer hier für einen kleinen Deutschunterrichtsexkurs. Nun zurück zu meinen Fragen! Habt ihr einen Lieblingssong vom Album? Beziehungsweise welchen performt ihr besonders gerne?
Ethan: Aktuell habe ich einen Moment mit „THE DOG DIES IN THE END“, dem ersten Track, und ich mochte sehr, wie wir ihn hervorgehoben haben, als wir ihn letzte Woche bei BBC gespielt haben. Und in einer Session mit dem Dork-Magazin haben wir was Ähnliches mit dem Song gemacht. Ich habe seither eine neugefundene Liebe für diesen Song.
Cole: Ich habe besonders viel Spaß mit “THEY TOLD ME TO JUMP AND I SAID HOW HIGH“. Der Song ist höchst energetisch und ich finde es sehr interessant zu hören, was Ethan in diesem Moment loswerden wollte, als er diesen Song aufgenommen hat. Ich finde das immer sehr spannend.
Nun, da ich euch ein bisschen kenne, ergibt es Sinn, dass ihr euch für diese Songs entschieden habt. Ich kann in dem Kontext eure Einflüsse jeweils deutlicher sehen! Das bringt mich nun auch zu meiner letzten Frage. Ich war nämlich ein wenig auf eurem Insta unterwegs und habe ein paar Hinweise und Fotos aus dem Studio gesehen. Könnt ihr schon was dazu verraten, ob ein neues Album in Planung ist, und können wir bald neue Musik erwarten?
Ethan: Wir haben bereits ein komplettes zweites Album samt finalisierter Demo-Trackliste fertiggestellt. Es ist noch nichts gemixt oder gemastert, aber wir hoffen, es nächstes Jahr rausbringen zu können.
Wie cool! Was können Fans erwarten und wie unterscheidet es sich von „GOLDSTAR“?
Ethan: Es ist selbstsicherer und kontrollierter als „GOLDSTAR“ und weniger beeinflusst. Wir wollen natürlich eine Band sein, die verschiedene Subgenres ausprobiert, aber wir wollen nicht, dass dies ein Part unserer musikalischen Persönlichkeit wird. Das sollte symbolisch spezifisch für unser Album „GOLDSTAR“ sein, anstatt für uns als Band. Unser nächstes Album ist gewählter und kontrollierter in Richtung Rock. Aber ich würde nicht sagen, dass dieses Album unter dieser Klarheit und deutlichen Richtung leidet, es klingt sehr erwachsen im Umgang damit.
Was erwartet uns klangtechnisch?
Ethan: Das kommende Album beinhaltet immer noch all die guten Parts unserer musikalischen Identität, auf die wir besonders stolz sind. Die ehrliche Lyrik, das Übereinanderlegen und Aneinanderreihen von Akustik, unkonventionelle Arrangements, gemixt mit der typischen Pop-Sensibilität. Aber eben auf eine erhöhte Art und Weise. Es ist dabei weder so hektisch noch fanatisch noch manisch. Es betont die Nuancen der Emotionen, die wir schon auf „GOLDSTAR“ ansprechen. Wir malen hier kein Bild von jemandem, der verloren oder völlig außer Kontrolle ist, es geht mehr um die Hintergründe solcher Karikaturen.
Da freue ich mich dann schon sehr drauf. Wer weiß, vielleicht stattet ihr Deutschland bei Gelegenheit ja sogar nochmal einen Besuch ab? Ich freue mich auf eure Show, danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.
Ethan: Cool, vielen Dank dir, wir sehen uns dann nächste Woche!
[Das Interview wurde auf Deutsch übersetzt]
Redigat: mf
