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Kultur

Redaktion:
Das Dolby Theater in Los Angeles ist für die Oscarverleihung feierlich eingerichtet und gut besucht. (Foto: Richard Harbaugh / Bill Barnes / The Academy ©A.M.P.A.S.)
Die 98. Oscarverleihung fand im Dolby Theatre in Los Angeles statt (Foto: Richard Harbaugh / Bill Barnes / The Academy ©A.M.P.A.S.)

Ein Preis nach dem anderen bei den Oscars 2026

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In der Nacht auf den 16. März fand im Dolby Theatre in Hollywood die 98. Oscarverleihung statt. Der prestigeträchtige Preis gilt als die bedeutsamste Ehrung in der Filmbranche und wurde dieses Jahr in insgesamt 24 Kategorien vergeben – hinzu kam erstmalig die Auszeichnung für das beste Casting. Durch den Abend führten die Moderation von Conan O’Brien und musikalische Performances, unter anderem von der Sängerin Barbara Streisand.

Was sind die Oscars?

Erstmalig verliehen im Jahr 1929 von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) sollen die Academy Awards (umgangssprachlich: Oscars) herausragende Leistungen in der Filmbranche würdigen, junge Filmschaffende inspirieren und Filmliebhaber zusammenbringen. Die Abstimmung erfolgt durch Mitglieder der Academy, ursprünglich in 12 Kategorien, heute in 24. Mitglied kann nur werden, wer von der Academy aufgrund eines wertvollen Beitrags für die Filmindustrie eingeladen wird. Um abstimmen zu können, müssen Mitglieder seit 2025 nachweisen, alle Filme in einer Kategorie gesehen zu haben. Mit gerade mal 36 Gründungsmitgliedern weist die Academy inzwischen eine beeindruckende Mitgliederzahl von über 10.000 auf. 

Die Gewinner:innen des Abends

Der erfolgreichste Film des Abends ist Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“. Der Politthriller wurde dreizehnmal nominiert und gewann insgesamt sechs Preise, unter anderem den Hauptpreis des Best Picture, den Regiepreis und den Preis für bestes adaptiertes Drehbuch. Damit gewann Anderson nach über 30 Jahren in der Branche und 14 Nominierungen seine ersten Oscars.

Nominierungen für "Bester Film"

· Bugonia· F1
· Frankenstein· Hamnet
· Marty Supreme· One Battle After Another
· The Secret Agent· Sentimental Value
· Sinners· Train Dreams

 

Ryan Cooglers Vampir-Horrorfilm „Sinners“ (dt. Titel: Blood & Sinners) stellte mit 16 Gewinnchancen einen neuen Nominierungsrekord auf und wurde in vier Kategorien ausgezeichnet. Michael B. Jordan wurde für seine Doppelrolle als Zwillingsbrüder Smoke und Stack als bester männlicher Hauptdarsteller geehrt. In seiner Dankesrede erinnerte er auch an vorherige Schwarze Gewinner:innen des Preises. Jordan ist der sechste Schwarze Mann, der in der Kategorie ausgezeichnet wurde. Der Oscar für die beste Kamera ging an Autumn Durald Arkapaw und damit in dieser Kategorie das erste Mal in der Geschichte der Preisverleihung an eine Frau.

Weitere Favoriten der diesjährigen Award-Saison waren „Frankenstein“, „Sentimental Value“ und „Marty Supreme“ mit Nominierungen in jeweils neun Kategorien der Oscars sowie „Hamnet“ mit acht. Schlussendlich konnte sich Jessie Buckley in ihrer Rolle als Shakespeares Frau als beste Hauptdarstellerin durchsetzen. Beste Nebendarstellerin wurde Amy Madigan für ihre Performance im Horrorfilm „Weapons“ und bester Nebendarsteller Sean Penn in „One Battle After Another“. Die Preise für Szenenbild, Kostümdesign und Make-up/Frisuren gingen an Guillermo del Toros Adaption von „Frankenstein“. Als bester internationaler Film wurde „Sentimental Value“ von Joachim Trier ausgezeichnet, eine Koproduktion aus fünf europäischen Ländern, unter anderem Deutschland. „KPop Demon Hunters“ überzeugte als bester Animationsfilm und mit dem besten Filmsong „Golden“, der im Rahmen der Preisverleihung live performt wurde.

Die Dramedy „Marty Supreme“ von Regisseur Josh Safdie ging trotz diverser Nominierungen leer aus. Damit setzt sich die Pechsträhne des Films fort, der für viele als absoluter Favorit galt, in der gesamten Award-Saison allerdings nur wenig Preise davontrug – beinahe ein ironischer Zufall, wenn man an die vielen Misserfolge des Protagonisten Marty Mauser denkt. Auffällig ist zudem die große Anzahl von Nominierungen und Auszeichnungen für Filme aus dem Horrorgenre, welches üblicherweise bei Preisverleihungen nur wenig Beachtung bekommt.

Liebe zum Film mit einer Portion Politik

Moderator Conan O’Brien warnte bereits in seiner Eröffnungsrede, dass die Preisverleihung politisch werden könnte, und empfahl denjenigen, die damit ein Problem haben, ihre Zeit anderweitig zu verbringen. Anschließend scherzte er gleichermaßen sowohl über künstliche Intelligenz als auch über die Untersuchungen zu Sexualstraftäter Epstein. O’Brien behauptete weiter, aufgrund von Drohungen aus Kreisen von Oper und Ballett hätte die Sicherheit des Events erhöht werden müssen, ein Augenzwinkern zum mehrfach nominierten Timothée Chalamet, der sich kürzlich eher abwertend zu den traditionsreichen Branchen äußerte.

Die Moderation schlug auch ernstere Töne an, etwa als O’Brien die Relevanz von einer Zeremonie wie den Oscars als Begegnungsort für Kollaborateur:innen aus diversen Nationen und Kontinenten betonte, vor allem angesichts der angespannten weltpolitischen Lage. Es werde nicht nur der Film als solcher gefeiert, sondern auch die Ideale von globalem Künstlertum, Zusammenarbeit, Geduld, Resilienz und Optimismus.

Vor dem Hintergrund des immer radikaler werdenden Auftretens der US-amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE wirkt die Auszeichnung von „One Battle After Another“ als bester Film stark nach. Der Politthriller erzählt die Geschichte einer militanten Gruppe von Linksextremist:innen, die unter anderem Menschen aus Abschiebegefängnissen befreien. Parallelen zwischen den rechtsradikalen Netzwerken, die im Film dargestellt werden, und der aktuellen Trump-Administration in den USA sind nicht von der Hand zu weisen. Als bester internationaler Film waren zudem Filme mit Bezug auf Kriegsgebiete im Iran und Palästina nominiert, als bester Dokumentarfilm wurde der regimekritische „Ein Nobody gegen Putin“ ausgezeichnet.

Neben der Anmoderation des spanischen Schauspielers Javier Bardem, der für ein Ende des Krieges und ein freies Palästina plädierte, und der Dankesrede für den besten Dokumentarfilm waren die meisten Redebeiträge allerdings weniger politisch gehalten. Stattdessen zeigten sich die Gewinner:innen in erster Linie erfreut und dankbar. Der von O’Brien geforderte Optimismus äußerte sich in Liebesbekundungen für Film und Kino sowie in der Anerkennung der vielen Filmschaffenden, deren Vermächtnis die Branche maßgeblich geprägt hat.

Redigat: mf