Kultur

Bridgerton – Diversität in der Regency-Ära?
Ein Gastbeitrag von Sophia Braun
Bridgerton ist ein Publikumsliebling. Nicht nur Fans von Kostümen und Historiendramen kommen auf ihre Kosten, auch jene, die Liebesgeschichten sehen wollen, werden begeistert. In jeder Staffel wird ein Paar in den Vordergrund gestellt und damit sind gefühlvolle Blicke, stimmungsvolle Tanzszenen und leidenschaftliche Dialoge garantiert. Auch bei der aktuellen vierten Staffel können sich die Fans wieder auf den Bridgerton-Zauber freuen. Doch neben dieser Liebesgeschichte beschäftigt sich die Produktion innerhalb der Drehbücher und im Hinblick auf den Cast mit heutzutage gesellschaftlich viel diskutierten Themen: Inklusion und Diversität.
Diversität im 19. Jahrhundert
Für die neue Staffel wurden einige neue Gesichter gecastet: unter anderem die aus Korea stammende Schauspielerin Yerin Ha, welche die neue Hauptrolle Sophie Baek spielt. Außerdem drei weitere Schauspielerinnen, die ihre Stiefmutter und Stiefschwestern verkörpern. Alle haben sie etwas gemeinsam: ihre ostasiatische Herkunft. Dabei sind diese Charaktere in der Buchvorlage weiß und stammen aus England.
Nach dem Casting wurden die buchgetreuen Nachnamen an die Herkunft der jeweiligen Darstellerinnen angepasst. Diese Idee des sogenannten „colorblind castings“ ist kennzeichnend für Bridgerton und wurde bereits ab der ersten Staffel eingesetzt. Damit ist gemeint, dass Charaktere unabhängig von der Herkunft oder Hautfarbe der jeweiligen Person besetzt werden.
Die neue Hauptdarstellerin Yerin Ha betonte in zahlreichen Interviews, wie wichtig ihr es sei, Minderheiten zu repräsentieren, und dass sie die Hoffnung habe, durch Bridgerton einen positiven Einfluss auf eine inklusivere Gestaltung der Schauspielindustrie zu nehmen.
In den verschiedensten sozialen Medien wird Bridgerton aufgrund der Verbindung eines Historiendramas mit aktuellen Diskursen über Diversität und Sichtbarkeit von Minderheiten heiß diskutiert. Doch neben lobenden Beiträgen und Kommentaren sehen andere Userinnen und User dieses Phänomen kritisch.

Eine wissenschaftliche Sichtweise
Auch in akademischen Kreisen taucht dieses Thema des Versuchs der Darstellung von Diversität in Historiendramen in einigen Artikeln auf. Bezüglich Bridgerton stellt sich heraus, dass laut der Produzierenden der Serie von einem „quasi-color conscious“ Casting und Narrativ ausgegangen wird. Das bedeutet, die Schauspielerinnen und Schauspieler werden bewusst gecastet, um rassistischen Hürden entgegenzuwirken. Außerdem soll die Herkunft nicht das Narrativ und den Handlungsverlauf der Serie beeinflussen, während jedoch die Auswirkungen dieses Verfahrens nicht in Gänze behandelt werden.
Einige wissenschaftliche Arbeiten kritisieren den fehlenden Diskurs bezüglich der Effekte, die etwa die Herkunft oder die Hautfarbe auf das Leben der Charaktere in Bridgerton haben. Andere befürworten diesen Aspekt der Serie und argumentieren, dass Bridgerton aufgrund der Repräsentation von ethnischen Minderheiten bereits einen prägenden Einfluss auf die Fernsehbranche hat.
Bridgerton als Streamingserie
Basierend auf den Romanen der Autorin Julia Quinn
Genre: Historiendrama und Liebesdrama
Erscheinungsjahr: seit 2020
Anzahl an Staffeln: derzeit vier Staffeln mit je acht Folgen
Handlung: Die Serie handelt von der noblen Familie Bridgerton, welche Teil der Londoner Elite ist und nach Liebe und Ehe sucht. In jeder Staffel steht eines der Geschwister im Vordergrund.
Schauplatz: London im frühen 19. Jahrhundert der Regency-Ära.
Geglückte Repräsentation oder Oberflächlichkeit?
Das Thema der Inklusion und Diversität in der Serie Bridgerton ist also nicht eindeutig zu fassen. Denn es gibt auch diskussionswürdige Schwachpunkte und Aspekte der Serie, die kritisch zu hinterfragen sind, um einen Wandel innerhalb der Schauspielindustrie voranzutreiben.
In den sozialen Medien wie Instagram und TikTok teilen zahlreiche Userinnen und User, dass ihnen die Serie geholfen habe, sich gesehen und in ihrem Hintergrund repräsentiert zu fühlen. Außerdem hat dieser Diskurs durch die Popularität der Netflix-Produktion an Aufmerksamkeit gewonnen.