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Kultur

Vier Schallplatten hängen an einer Wand.
Symbolbild (Foto: Sonka Hinders)

brandneu auf der [97.1]

Ein Beitrag von Marlene Guthseel, Philipp Kerkes, Dennis Rettberg und Sonka Hinders

Auf dieser Seite

Jede Woche bringt hochschulradio düsseldorf neue Musik auf die 97.1. Wir spielen sowohl die angesagteste Musik aus dem Kosmos der Alternative-Szene als auch die besten Newcomer:innen und Geheimtipps. An dieser Stelle präsentieren wir jede Woche die Hintergründe zu unseren neusten Favorit:innen - diese Woche mit Blu DeTiger & Biig Piig, The Big Moon, The Kooks, Jamie T, Odesza, Sharon Van Etten, Havet, Nakhane und Neufundland.

Blu DeTiger & Biig Piig - Crash Course

Dass Blu DeTiger eine begnadete Bassistin ist, beweist sie nicht nur bei ihren Live-Shows, sondern auch in ihrem aktuellen Song. "'Crash Course' ist eine Sammlung von New Yorker Sounds, die herumwirbeln und auf eine Rennstrecke in LA gespuckt werden", erklärt Blu DeTiger, "Es ist schmutziger Bass, hohe Energie, Spaß." Die New Yorker Sounds klingen dabei nach einer Mischung aus Funk, House und Rock. Ein treibendes Schlagzeug, ein grooviger Basslauf, und ordentlich Synthies und Effekte sorgen für eine energiegeladene Atmosphäre. Für den Gesang hat sich DeTiger die irische Singer-Songwriterin Biig Piig dazugeholt. Beide hauchen ihre Vocals, bauen Spannung auf, und gehen dann richtig ab. Dieser Wechsel von ruhigen und aufgeregteren Gesangsparts erzeugt eine interessante Dynamik, die dem Song noch mehr Energie gibt.

Musikvideo: Blu DeTiger - Crash Course
Musikvideo: The Big Moon - Wide Eyes

The Big Moon - Wide Eyes

Auf die Geburt des ersten eigenen Kindes zu warten und die ersten Monate mit ihm zu verbringen, ist etwas ganz Besonderes und oft auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle. So war es auch für die Sängerin Jules Jackson. Das Ergebnis dieser Achterbahnfahrt ist das dritte Album ihrer Indieband The Big Moon. Es heißt "Here Is Everything" und erscheint Mitte Oktober. Für das Album hat Jules ihren Bandmitgliedern Notizen ins Studio geschickt, aus denen die dann Songs produziert haben. Die Single "Wide Eyes" ist jetzt schon draußen und gibt uns einen Einblick in ihre damalige Gefühlswelt. Dazu sagt sie selber: "Ich denke, es ist einfach eine verrückte Momentaufnahme... Ich stillte ein fünf Monate altes Baby, ich schlief kaum, mir fielen die Haare aus, ich pumpte und schwitzte und weinte und war einsam und kam gerade so zurecht, aber zwischen all dem spürte ich eine brennende Liebe und eine neue Art von Glück."

The Kooks - Modern Days

The Kooks hatte ihre größten Hits in den 2000ern. Songs wie "Naive", "She Moves In Her Own Way" und "Ooh La" sind zu Klassikern des Britpop geworden. Das hält die vier Briten aber nicht davon ab, einfach weiter zu machen, und so haben sie ein Album nach dem anderen veröffentlicht. Das letzte, "Let's Go Sunshine", ist vor vier Jahren erschienen. Eigentlich wollte die Band um Luke Pritchard erstmal eine Pause machen, aber daraus ist offenbar nichts geworden. Gleich nach den letzten Auftritten haben sie wieder im Studio gesessen und an einem neuen Album geschrieben. Allerdings in Berlin, denn es soll ein Album sein, das dem Brexit entgegentritt. Der Song "Modern Days", der von den Veränderungen durch die Zeit erzählt, ist gerade auf dem neusten Werk "10 Tracks To Echo In The Dark" erschienen.

Musikvideo: The Kooks - Modern Days
Musikvideo: Jamie T - Between The Rocks

Jamie T - Between The Rocks

Der "One Man Arctic Monkey" ist zurück. Nach sechs Jahren veröffentlicht Jamie T mit "The Theory Of Whatever" sein fünftes Album. Den Spitznamen "One Man Arctic Monkey" hört er selber nicht gerne, weil es ihn zu sehr in eine Schublade steckt. Und seine Musik ist tatsächlich deutlich vielfältiger. Zwar klingen einige Songs des Londoners auch auf dem neuen Album nach Alternative Rock und Postpunk, trotzdem ist die Songauswahl sehr divers. Grob gesagt sind es rockige, ruhige Akustik-Songs und HipHop-Songs. Darauf singt Jamie, rappt, und spielt Gitarre und Klavier. Sein Markenzeichen, eine Kombination aus Sprechgesang und Indierock, bleibt allerdings. Selber beschreibt er seine Musik als "Bang Bang Anglo Saxons at the Disco". Seine aktuelle Single "Between The Rocks" ist ein Punk-Rock-Song mit Rap und Gesang, der ordentlich nach Vorne geht. Der Text ist dafür umso tiefsinniger.

Odesza - Equal (feat. Låpsley)

Vielleicht etwas unter dem Radar, aber dafür umso wertvoller ist das amerikanische Producer-Duo Odesza. Seit mittlerweile zehn Jahren erschaffen Harrison Mills und Clayton Knight frickelige, verspielte Electronica-Sounds, die sie aber immer wieder mit klassischem, eingängigen Dance verbinden. Auf ihrem neuen Album "The Last Goodbye" zeigt sich das einmal mehr: Instrumental-Tracks mit coolen Samples gibt es dort genauso wie alternative, präsente Dance-Nummern zum Im-Ohr-Bleiben. Eine davon ist "Equal", eine Zusammenarbeit mit der britischen Sängerin und Producerin Låpsley.

Musikvideo: Odesza - Equal
Musikvideo: Sharon Van Etten - Headspace

Sharon Van Etten - Headspace

Menschen schenken einander immer weniger Aufmerksamkeit, weil sie von ihren Handybildschirmen gebannt sind, gefangen in einem endless scroll – diese Idee ist wahrscheinlich schon so alt wie das Internet selbst, liefert aber trotzdem auch im Jahr 2022 noch Inspiration für gesellschaftskritische Songs. Ein Beispiel ist Sharon Van Ettens Single "Headspace". Im Musikvideo zum Song nimmt die amerikanische Sängerin anderen die Handys ab und wendet die Menschen einander zu, unterlegt von dem gesungen Mantra "Baby, don’t turn your back to me". Davon abgesehen verbindet der Song wavig-düstere, fast schon industrial-anmutende Synthesizer mit Sharon Van Ettens hohem, abwechselnd sanften und beschwörenden Gesang."Headspace" ist nicht der einzige Release von Sharon Van Etten, der sich in Dunkelheit hüllt. Mehr davon gibt es auf ihrem aktuellen sechsten Album mit dem bezeichnenden Titel "We’ve Been Going About This All Wrong".

Havet - Toxic

Als die beiden die The Voice Kids-Bühne betreten und zu einem Radiohead-Cover ansetzen, sind alle sofort begeistert. Mimi und Josy werden zum viralen Hit und gewinnen die Castingshow mit links. Jetzt, drei Jahre später haben sie sich weiterentwickelt und veröffentlichen als Havet fleißig Musik. In ihrem neusten Song "Toxic" geht es um eine Trennung: "[Der Song] handelt davon, sich aus einer toxischen Beziehung zu befreien und endlich zu erkennen, wie falsch die andere Person einen behandelt hat." Die Single ist gleichzeitig auch die Ankündigung ihrer Debüt-EP, die am 11. August erscheinen und "Mamas Lulaby" heißen soll.

Musikvideo: Havet - Toxic
Musikvideo: Nakhane - Tell Me Your Politik

Nakhane - Tell Me Your Politik (feat. Moonchild Sanelly & Nile Rodgers)

"You can kiss me if you want to / I wouldn't say no / And touch me if you want to / How could I say no? / But first you gotta... / Tell me your politik!" In den ersten Zeilen des Songs "Tell Me Your Politik" drückt Nakhane es besser aus, als es jede komplizierte Erklärung könnte: Du darfst mir nah sein, aber erzähl mir erst mal, was du denkst, welche Werte du hast, nach welcher Politik du dein Leben lebst. Ein ziemlich guter Grundsatz, den Nakhane aus eigener Erfahrung lernen musste. Musikalische Unterstützung gibt es von der Rapperin Moonchild Sanelly und der Gitarrenlegende Nile Rodgers. "Tell Me Your Politik" überzeugt dabei auf musikalischer und visueller Ebene, denn das Musikvideo, das die Energie des Songs aufgreift, regt mit Referenzen auf koloniale Verbrechen einmal mehr zum Nachdenken an.

Neufundland - Streiflicht

"Meine Kriege, meine Liebe verliere ich allein," singen Neufundland in ihrer neuen Single "Streiflicht" über das mal trotzige, mal wehmütige Dasein als Einzelkämpfer:in. Auf Social Media erklärt die Kölner Band weiter, dass es in der Postpunk-Nummer um "eine Auseinandersetzung mit der Vereinzelung und Vereinsamung des Menschen durch stetig wachsenden Individualisierungsdruck" gehe. Außerdem sei "Streiflicht" programmatisch für das kommende dritte Album der Band. Das erscheint im Dezember unter dem Titel "Grind". Vor "Streiflicht" als zweite Album-Single hatten Neufundland auch schon den Song "Kein Scherz" ausgekoppelt, sich bei dessen Release mit Details zum Album aber noch bedeckt gehalten. 

Musikvideo: Neufundland - Streiflicht