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Kultur

Vier Schallplatten hängen an einer Wand.
Symbolbild (Foto: Sonka Hinders)

brandneu auf der [97.1]

Ein Beitrag von Philipp Kerkes, Dennis Rettberg, Marlene Guthseel und Sonka Hinders

Auf dieser Seite

Jede Woche bringt hochschulradio düsseldorf neue Musik auf die 97.1. Wir spielen sowohl die angesagteste Musik aus dem Kosmos der Alternative-Szene als auch die besten Newcomer:innen und Geheimtipps. An dieser Stelle präsentieren wir jede Woche die Hintergründe zu unseren neusten Favorit:innen - diese Woche mit Anna Of The North, Dayglow, Soccer Mommy, Beabadoobee, Life, Before The King und mehr.

Anna Of The North - Dandelion

Aus unserer Kindheit wissen wir: Mit "Löwenzahn" lässt sich die Welt meist sehr gut erklären (natürlich genauso mit der Maus und ihrem Elefanten). Und so verrückt es scheint, auch die Liebe kann durch Löwenzahn illustriert werden; allerdings nicht mit einer verschollenen Folge mit Peter Lustig, sondern mit der Norwegerin Anna Of The North. Ihre neue poppig-verspielte Single "Dandelion" verkörpert nämlich die Vergänglichkeit von Liebe eben mit einem Löwenzahn, beziehungsweise mit einer Pusteblume. So sagt sie selbst zu "Dandelion", dass der Song über verlorene Liebe sei. Es sei eine Liebe, die nicht bleiben könne, bei der man aber Hoffnung habe, dass es eines Tages vielleicht doch klappt.

Musikvideo: Anna Of The North - Dandelion
Musikvideo: Dayglow - Then It All Goes Away

Dayglow - Then It All Goes Away

Vor fast vier Jahren ist Dayglow so richtig durchgestartet. Seine Songs aus der Anfangszeit klingen verträumt, und meistens schwingt ein kleines bisschen Melancholie mit. Und sie entstehen buchstäblich in seinem Schlafzimmer. Jetzt, vier Jahre später, kündigt der Musiker aus Texas sein drittes Album an. Das soll "People In Motion" heißen und am 7. Oktober dieses Jahres erscheinen. Mit der Ankündigung gibt Dayglow auch schon einen kleinen Vorgeschmack. "Then It All Goes Away" ist der perfekte Song für den Sommer. Er klingt deutlich leichter als das, was man von Dayglow kennt. Doch die neu gefundene Leichtigkeit täuscht. Es geht weniger um Sommer und Spaß als um den Blick, an dem man erkennt, dass mit der geliebten Person etwas nicht stimmt und die Magie verloren gegangen ist.

Soccer Mommy - Feel It All The Time

Erhöhte Aufmerksamkeit bringt auch erhöhte Verantwortung. In gewisser Weise ist es eine Weisheit des Lebens, genauso wie, dass niemand gesagt hat, dass das Erwachsensein easy wäre. Auch Soccer Mommy aus den USA hat das gespürt. Mit Anfang 20 hat sie vor einigen Jahren in der Indie-Szene einen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber mit gestiegener Erwartung merken müssen, dass gerade das Leben als junge Erwachsene viele Fallstricke aufweisen kann. Und was macht man so als Musiker:in, die das Leben gerade spürt? Man schreibt Songs darüber. Das hat Soccer Mommy auch getan und mit "Sometimes, Forever" ein neues Album veröffentlicht, das sich in diesem Thema verwurzelt. Entsprechend schaltet sie in ihren Songs oftmals einen Gang zurück, sinniert über Tiefen, liefert aber auch ein weitläufiges Indie-Album, das über das Leben in den Zwanzigern berichtet. Uns überzeugt hat davon vor allem der Song "Feel It All The Time".

Musikvideo: Soccer Mommy - Feel It All The Time
Musikvideo: Beabadoobee - 10:36

Beabadoobee - 10:36

Der Durchbruch, morgens halb 11 in London - so oder so ähnlich muss sich der Schreibprozess von Beabadoobees neuer Single "10:36" angefühlt haben. Denn laut Bea war der Schreibprozess zur Single nicht einfach. "10:36" habe sie nämlich bereits vor einiger Zeit geschrieben, nach ihrem Debütalbum, aber vor ihrer EP im letzten Jahr. Das Doofe war nur: Das Riff wollte sich irgendwie nicht fertigstellen. Irgendwann hat Beabadoobee einfach eine Demoversion gemacht und zack, dann war der Song endlich fertig - genau um 10:36 Uhr in London. Es hat sich gelohnt. "10:36" klingt lässig und leicht grungig, und ist ein weiterer toller Vorbote auf das neue Album "Beatopia", das am 15. Juli kommt.

Life - The Drug

"Die Droge, die ich brauchte, war immer hier. Die Droge, die ich brauchte, war immer in der Nähe." Das singt Life-Frontmann Mez Green, natürlich auf Englisch, im Refrain der aktuellen Single "The Drug". Den Text schrieb er in den kalten Bergen Italiens. Dort kam er zu der Erkenntnis, dass geliebte Menschen immer da sein können, egal wo man ist. "The Drug" ist ein Postpunk-Song. Der Sound klingt aber ein wenig melancholischer und dreckiger, als man ihn sonst von Life kennt. Er hat aber auch harmonische Elemente und sogar einen Hauch von Dance und Pop. Mitte August erscheint ihr drittes Album mit dem Titel "North East Coastal Town". Es handelt von der Liebe zu ihrer Heimatstadt Hull. Da ist es nur logisch, dass sie ihre Tour rund um Hull starten. Am 17. Oktober spielen die vier Brit:innen allerdings auch in Köln.

Musikvideo: Life - The Drug
Musikvideo: Before The King - Cold Shoulder

Before The King - Cold Shoulder

Before The King kommen aus Sydney und bewegen sich musikalisch irgendwo zwischen Garage und Indierock. Mit "Cold Sholder" haben sie ihre erste Single in diesem Jahr veröffentlicht. In dem Song geht es, laut Sänger und Songwriter Dean, um eine seiner Beziehungen. In einem Statement zum Song erklärt er: "'Cold Shoulder' war der letzte Song, den ich über eine meiner Exfreundinen geschrieben habe. Die Beziehung war traumatisch und meistens toxisch. Diesen Song zu veröffentlichen, ist wie ein Schlussstrich für dieses Kapitel meines Lebens." Dafür, dass das Thema eher düster ist, klingt "Could Shoulder" erstaunlich entspannt. Der Sound, der den Strokes nicht unähnlich ist, lässt ordentlich sommerliche Nostalgie und Melancholie aufkommen. Mehr davon gibt es dann Anfang August, wenn die neue EP "All That You Know" rauskommt.

Christine And The Queens - Je Te Vois Enfin

Schon auf ihrem 2018er Album "Chris" hat die französische Musikerin Christine And The Queens sich mit verschiedenen Identitäten auseinandergesetzt, besonders im Bezug auf Gender und Queerness. Das scheint sich auf ihrem kommenden dritten Album "Redcar Les Adorables Étoiles" fortzusetzen. Nach der Figur Chris inszeniert Christine And The Queens sich in ersten Teasern zum neuen Album als Redcar. Dieses neue Alter Ego erinnert mit Nadelstreifenanzug, Lederhandschuhen und schnellen Auto an The Great Gatsby. Christine And The Queens' Sound ist trotz neuer Figur aber unverändert. Die erste Singleauskopplung "Je Te Vois Enfin" aus dem neuen Album liefert zuverlässig Electropop auf 80er-Basis mit französischen Lyrics – im Gegensatz zu früheren Releases allerdings ohne englischsprachige Alternativversion.

Musikvideo: Christine And The Queens - Je Te Vois Enfin
Musikvideo: Working Men's Club - Ploys

Working Men's Club - Ploys

Wir leben in einer Zeit voller Gegensätze. Sie ist geprägt von Ungewissheit, Verzweiflung und Angst, aber auch von Hoffnung und dem Wunsch nach Neubeginn. Den passenden Sound dazu liefert die Electro-Band Working Men’s Club. Ihr zweites Album "Fear Fear" erscheint am 15. Juli. Sowohl textlich als auch musikalisch erzeugt es genau die widersprüchlichen Emotionen, die das Leben in unserer Gesellschaft hervorbringt. Neben Verzweiflung und Hoffnung spielen auch die Gegenüberstellungen von digitaler und realer Welt, von Leben und Tod und weiteren Gegensätzen eine Rolle. Sätze wie "Being sad makes me happy" verdeutlichen auch im aktuellen Song "Ploys" diese Gegensätze. Der Song erzeugt eine düstere Atmosphäre, durch tanzbare Rhythmen aber auch ein Gefühl von Aufbruch. Musikalisch bewegt sich die Band auf "Fear Fear" zwischen Postpunk, New Wave und Synthpop.

Day Wave - See You When The End's Near (feat. KennyHoopla)

Auch unter dem Radar lassen sich einige Rohdiamanten entdecken. Klar, klingt nach einer Binsenweisheit für unsere Playlis voller aufstrebender Indie-Künstler:innen. Im Falle von Day Wave passt es aber tatsächlich. Denn Day Wave, alias Jackson Phillips, aus Los Angeles war fünf Jahre lang von der Bildfläche weg - zumindest, was eigene Musik betrifft, da er noch als Producer für Acts wie Hana Vu gearbeitet hat. Doch am Ende hat es ihn nochmal gepackt. Mit "Pastlife" ist seit Ende Juni ein neues Album draußen, das zeigt: Pop ist nicht immer gleich Pop. Es sind die kleinen Kanten und Eintrübungen auf dem Album, die zeigen, dass Day Wave ein gutes Gespür für Trends hat. Das gilt auch für den Song "See You When The End's Near", für den er sich KennyHoopla dazu geholt hat, der mit seiner Mischung aus Rock und Rap für einen weiteren Trend steht.

Musikvideo: Day Wave - See You When The End's Near
Musikvideo: Sløtface - Come Hell Or Whatever

Sløtface - Come Hell Or Whatever

Sløtface sind wieder da! Wenn auch nicht in vollständiger Besetzung. Mit der Veröffentlichung ihres neuen Songs "Come Hell Or Whatever" haben Gitarrist Tor-Arne und Bassist Lasse angekündigt, die Band vorerst zu verlassen und sich anderen Projekten zu widmen. Das hält Frontfrau Haley aber nicht davon ab, weiter Musik zu veröffentlichen. Gemeinsam mit ihrem Producer hat sie angefangen, zu schreiben, und schon nach kurzer Zeit hatten die beiden ein paar Ideen. "Wir haben mit diesem Drum-Loop herumgespielt, der klang irgendwie industrial und cool und mir ist klar geworden, dass das unser 'Actionfilm-Track' sein muss. Ich wollte, dass es eine Ode an die besten weiblichen Actionfilmfiguren wird," erzählt Haley im Interview mit dem NME. Aktuell arbeiten Sløtface an einer neuen EP, die Anfang nächsten Jahres erscheinen soll.

Automatic - Lucy

Auch wenn er vor allem als Genre der 80er bekannt ist, muss Postpunk nicht immer gleichbedeutend mit retro sein. Das Trio Automatic aus Los Angeles, zum Beispiel, kombiniert auf seinem neuen Album "Excess" Postpunk-Klänge mit futuristischen Storys. In den Songtexte des Albums, das die Band selber als dystopisch bezeichnet, erzählen Automatic unter anderem vom Klimawandel und von reichen Menschen, die im Scifi-Stil nach einem Ersatzplaneten suchen. Ein paar typische Popthemen handeln die drei Musikerinnen auf "Excess" aber auch ab. Im Albumtrack "Lucy" geht es um Liebe und Sehnsucht.

Musikvideo: Automatic - Lucy
Musikvideo: Bilbao - Mojito

Bilbao - Mojito

Bilbao, das ist nicht nur eine Stadt in Nordspanien, sondern auch eine Indieband aus Norddeutschland – genauer gesagt aus Hamburg. Die Idee, die Band zu gründen, kam den vier Kumpels Jannes, Jan, Max und Robin 2019 auf dem Reeperbahn-Festival. 2020 hatten sie dann auch genau da ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Vorher haben sie über Jahre in verschiedenen Musikprojekten gearbeitet, kennen sich aber teilweise schon seit dem Teenageralter. Die letzten zwei Jahre haben sie genutzt, um Songs zu schreiben und ihren eigenen Stil zu entwickeln. Den beschreiben sie selber so: "Bilbao ist tanzbarer und sommerlicher Action-Indie. Wir schreiben Musik, die live funktioniert, nach vorne geht und Bock macht." Ende Juni ist ihr Debütalbum "Shake Well" erschienen. Die letzte Single vom Album heißt "Mojito" und ist ein rhythmisch abwechslungsreicher und sommerlicher Feel-Good-Song. Akzentuierte Gitarren und Synthie-Parts beleben die Tanzfläche.

Musikvideo: Sinead O'Brien - Spare For My Size Me
Musikvideo: Greentea Peng - Stuck In The Middle

Greentea Peng - Stuck In The Middle

Greentea Peng heißt eigentlich Aria Wells und kommt aus London. Ihren Durchbruch feierte sie im Jahr 2019 mit ihrem Song "Downers". Nach einigen EPs und ihrem Debütalbum "Man Made", das 2021 für Aufsehen in der Musikpresse sorgte, ist Greentea Peng jetzt mit neuer Musik zurück. "Stuck In The Middle" heißt die aktuelle Single, die sich irgendwo zwischen Pop, RnB und Jazz bewegt. Inhaltlich löst sich Greentea Peng von negativen Dingen; davon, herumgeschubst zu werden; davon, Dinge kontrollieren zu wollen, die sie nicht kontrollieren kann; davon, ihre Energie auf schlechte Laune zu verwenden. Das Musikvideo zu "Stuck In The Middle" hat die Britin in ihrer Heimatstadt Hastings aufgenommen und hat einige Freund:innen und lokale Legenden dazu eingeladen.

Nothhingspecial - If I Could I Would

Wie schön wäre es doch, wenn man "Erinnerungen in ein Glas packen und es dann wieder öffnen" könnte, "wenn man sich nach ihnen sehnt". Das sagt die Bonner Newcomerin Nothhingspecial über ihre neue Single "If I Could I Would". Der Song handelt vom Wunsch, die Schönheit und die Energie der Erinnerungen in sich zu tragen und am Leben zu halten, um sie noch einmal erleben zu können. Was wie der Tagtraum einer 80-Jährigen klingt, die in den Erinnerungen ihrer Jugend schwelgt, ist in Wirklichkeit der Wunsch einer 20-Jährigen - und zwar von Chrissie Kühl, die sich hinter dem Künstlerinnennamen Nothhingspecial verbirgt. Ähnlich nachdenklich wie ihre Texte klingt auch ihre Musik. Ihre tiefe Stimme legt sich sanft auf ein Bett aus hallender E-Gitarre und leichtem Schlagzeug. Dadurch erzeugt sie einen sehr charismatischen DIY-Sound, eine Mischung aus Singer-Songwriter und Indiepop.

Musikvideo: Nothhingspecial - If I Could I Would