Kultur

Black History Month im Jugendring-Café
Ein Gastbeitrag von Laura Mongo
Am 11. Februar sitzen im Jugendring-Café in Düsseldorf die Besucher:innen an kleinen Tischen, einige mit Getränken vor sich, andere lehnen sich nach vorne, als Liz beginnt zu lesen. Sie trägt Texte der afro-deutschen Dichterin May Ayim vor. Die Stimmung ist aufmerksam im Raum, aber nicht angespannt. „Sprache ist Macht. Worte können gewaltvoll sein“, liest sie. In den Texten wird deutlich, dass es weniger um Hautfarbe geht als um gesellschaftliche Machtverhältnisse. Die Texte verbinden persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Strukturen. Es geht um Rassismus, um Geschichte und darum, wer gehört wird und wer nicht.
Zwischen Bewegung und Erinnerung
Liz studiert Medien- und Kulturwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Für sie ist es einer der ersten Abende, die sie in dieser Form mitgestaltet. Der Applaus nach der Lesung ist deutlich, einige nicken zustimmend. Die Stimmung bleibt konzentriert und zugleich locker. Zwischendurch wird auch gelacht.
Im Anschluss stellt die Künstlerin Noelle Amelia Ehrenfeld ihre Arbeit „Der Körper in der Mitte, der ich bin“ vor. Die Ausstellung besteht aus drei Collagen, die sich mit Identitätsbildung zwischen verschiedenen Kulturen beschäftigen. Geschichte, Mensch und Umgebung bilden dabei zentrale Bezugspunkte.
Zu jeder Collage gehört eine Audioebene. Über Kopfhörer sind Stimmen aus ihrer Familie zu hören, Kindheitserinnerungen und Naturgeräusche. Ergänzt wird die Arbeit durch digitale Elemente: Auf einem Tablet lässt sich eine Augmented-Reality-Installation aufrufen, in der ein Tisch als Ort des Dialogs und der Erinnerung inszeniert wird.
Ehrenfeld beschreibt das Projekt als sehr persönlich. Ihre Mutter stammt aus Guyana, einem Land mit kolonialer Geschichte und vielfältiger Diaspora. Eine Reise dorthin habe ihren Blick auf die eigene Identität verändert. „Diese Stimme anzuerkennen, das ist für mich Ermächtigung“, sagt sie. Identität sei nichts Festes, sondern etwas, das sich zusammensetzt und weiterentwickelt.

Zum Abschluss tritt der Düsseldorfer Rapper CHAMP auf. Mit seinen Songs bringt er eine andere Dynamik in den Raum. Es wird mitgewippt, gelacht, zwischen den Liedern spricht er über Perspektiven und Zusammenhalt. Der Abend bleibt in Bewegung.
Der Black History Month wird hier nicht abstrakt diskutiert, sondern künstlerisch umgesetzt. Texte, Bilder und Musik stehen nebeneinander und eröffnen unterschiedliche Zugänge zu Erinnerung und Gegenwart.
Black History Month – kurz erklärt
Der Black History Month geht auf die 1926 von dem US-Historiker Carter G. Woodson initiierte „Negro History Week“ zurück. Seit 1976 findet er in den USA im Februar als ganzer Monat statt.
In Deutschland wird der Black History Month seit den 1990er-Jahren von Schwarzen Initiativen aufgegriffen. Ziel ist es, Schwarze Geschichte sichtbar zu machen und gesellschaftliche Machtstrukturen zu reflektieren.