Düsseldorf

Japan-Tag 2026: Düsseldorfs besondere Verbindung zu Japan
30 Grad und die Luft flimmert über dem Asphalt der Rheinuferpromenade. Den Besucher:innen des diesjährigen Japan-Tags scheint das nichts auszumachen. Es ist ein neuer Rekord: 700.000 Menschen tummelten sich am Samstag zwischen Cosplayer:innen, Musikbühnen und Streetfood-Ständen. Viele sind insbesondere wegen des Feuerwerks da, das traditionell den Abschluss bildet. Mit einer Dauer von 25 Minuten hebt es sich von üblichen Feuerwerken ab: Symbole wie Smileys, Herzen und Sterne erhellten den Nachthimmel.
Historische Wurzeln im „Little Tokyo"
Seit 2002 findet der Japan-Tag in seiner jetzigen Form statt, doch die Ursprünge liegen in den Japan-Wochen von 1983. Im Jahr 1953 wurden in Düsseldorf die internationalen Wochen veranstaltet, wodurch verschiedene Länder die Möglichkeit hatten, sich selber vorzustellen. Daraus entstand dann 1983 die erste Japan-Woche. Die erste Beziehung zwischen Düsseldorf und Japan lässt sich sogar schon 1861 entdecken. Preußen und Japan schlossen einen Handelsvertrag, an dem der Düsseldorfer Kaufmann Louis Kniffler maßgeblich beteiligt war. Mittlerweile haben 410 japanische Unternehmen ihren Sitz im Düsseldorfer Stadtgebiet und rund 8.500 Japaner:innen leben in Düsseldorf. Damit ist die Stadt nach London der stärkste Japan-Standort in Europa.
Kein Wunder also, dass der Japan-Tag jedes Jahr so viele Leute anlockt und sogar seine eigene Wikipedia-Seite hat. Mit 700.000 Besuchern stellte das Event 2026 einen neuen Rekord auf. Doch auch in den Vorjahren kamen viele Besucher:innen: 630.000 Gäste waren es 2024, 380.000 im Jahr 2025. Viele Besucher:innen lockt auch die Japanwoche vor dem Japantag mit einem vielfältigen Kulturprogramm an. Ab dem 18. Mai waren unter anderem Ausstellungen in Galerien und Museen zu sehen, Pop-up-Stores japanischer Marken präsentierten sich und die japanische Teezeremonie konnte erlebt werden. Auch in der Woche nach dem Japan-Tag bis zum 29. Mai gibt es noch vereinzelt Veranstaltungen sowie den Wirtschaftstag Japan am 27. Mai.
Der Japan-Tag 2026
Kurz nach 12 Uhr wurde der diesjährige Japan-Tag von Oberbürgermeister Stephan Keller, Mona Neubaur (Wirtschaftsministerin), Hendrik Wüst (Ministerpräsident) sowie Yoshitaka Tsunoda (Generalkonsul Düsseldorf) und Takao Hariya (Präsident des japanischen Klubs) eröffnet. Trotz des gerade erst besiegelten Fortuna-Abstiegs trug der Klubvorsitzende Takao Hariya das F95-Logo auf seinem Kimono – das sei „kein Zeichen schlechter Lebensentscheidungen, sondern ein Zeichen der Solidarität“, erklärt der Moderator. Ein symbolträchtiges Zeichen für die Verbindung zwischen Düsseldorf und Japan.
Traditionell darauf folgte die Sake-Zeremonie, das Kagami Biraki (wörtlich bedeutet das „den Spiegel öffnen“), mit den Ehrengästen auf der Bühne. Es ist ein traditionelles japanisches Ritual, bei dem der Deckel eines Sake-Fasses mit Holzhammern eingeschlagen wird, um Glück, Wohlstand und eine gute Gemeinschaft zu symbolisieren.
Ein Blick auf die Rheinuferpromenade
Strahlend weiße Haare, ein Magierstab und ein Schwert; nur eine Ecke vom Burgplatz entfernt stehen die Darsteller:innen der Figuren Himmel und Frieren aus der Anime-Serie „Frieren“. Den beiden Cosplayer:innen (25 und 30) gefällt der diesjährige Tag besonders gut: „Die Stimmung dieses Jahr ist wirklich nochmal extra gut. Wir waren schon bei vielen hier und dieses Jahr gefällt es mir bisher am besten. […] Und wenn man etwas so Populäres cosplayed wie wir, kommt man mit vielen Leuten ins Gespräch darüber.“
Anna-Maria (18) schließt sich an. Sie ist als Madoka Kaname gekleidet, mit pinken Haaren, einem gelblichen Oberteil und roten Schleifen im Haar. Auch für sie ist der Tag ein besonderer: „Es ist ein guter Moment für alle Cosplayer und für alle Leute, die Japan lieben, unsere Liebe für Japan und Anime zu zeigen.“
Abseits der Hauptbühne bot auch der Rheinpark diverse Einblicke in japanische Kultur. Am Robert-Lehr-Ufer wehten die Flaggen der Samurai-Gruppe Takeda e.V. im Wind und Mitglieder konnten präzise Schwertbewegungen üben. Vereinsvorsitzender Michael Hegenberg erzählt, dass es ein Höhepunkt sei, „den Leuten übers japanische Mittelalter, über den Fürsten Takeda […] und über die ganze Geschichte drumherum zu erzählen. Das Highlight ist, wenn die Leute Wissen mitnehmen.“ Daneben zeigte der Kyudoverein Neandertal e.V. das traditionelle Bogenschießen. Auf der Popkultur-Bühne präsentierten beim Cosplay-Wettbewerb Teilnehmer ihre aufwendigen Kostüme. Die Sonne brannte zwar auf die Zuschauer herab, doch die Begeisterung konnte dadurch nicht getrübt werden; viele hielten die aufwendigen Kostüme und Lieblingscharaktere auf der Bühne in Bildern fest.
Die Besucher:innen des Japan-Tags
Die Gründe für einen Besuch waren vielfältig – längst nicht alle zog es primär wegen der Cosplay-Szene an den Rhein.
Für Bettina (64), die das erste Mal beim Japan-Tag war, und Sabine (58) waren die schönen Kostüme, die japanische Musik, die Mischung zwischen Tradition und Moderne und die kulinarischen Köstlichkeiten die Highlights. Stammgäste wie Ani und Martin (beide 62) kommen hingegen jedes Jahr. Für sie standen insbesondere die Bühnenshows, wie der Auftritt von Murasaki Waves, die Verkleidungen und das abschließende Feuerwerk im Mittelpunkt.
What a wonderful world – Ein Feuerwerk voller Lebensfreude
Zum Abend hin verwandelte sich die Rheinuferpromenade zunehmend zum Festival, während sich die Düsseldorfer Altstadt bereits mit Partygästen füllte. Etwas Kritik gab es von Besuchenden auch. Mai (41) würde sich mehr Traditionelles wie Kalligrafie, Kimono-Präsentationen oder Samurai-Ausstellungen und weniger Cosplay wünschen. Trotzdem bleibt das Feuerwerk ihr Highlight. Fast jedes Jahr reist sie dafür an. Viele Besucher:innen kommen nur dafür. Die unter dem Motto „What a wonderful world – Ein Feuerwerk voller Lebensfreude“ entwickelte Inszenierung ließ um 23 Uhr mit Smileys, Herzen und Sternen den Nachthimmel erhellen.
Wenn das Feuerwerk dann erlischt, kehrt am Rheinufer wieder Alltag ein. Doch der Japan-Tag zeigt jährlich aufs Neue, wie selbstverständlich die besondere Verbindung zwischen Düsseldorf und Japan geworden ist. Ob aus wirtschaftlichem Interesse oder kultureller Neugier – die Begegnung am Ufer bleibt ein wichtiger Treffpunkt. Ein Fest, das verbindet – und im nächsten Jahr sicher wieder viele Besucher:innen anlocken wird.
Redigat: mf














