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Campus

Redaktion:
Zu sehen ist die Heinrich Heine Statue auf dem Campus, welcher ein rotes Band umgebunden wurde. Auf dem Band steht ein Streikaufruf und neben der Statue wird ein IPad mit der Aufschrift „Streik!“ hochgehalten
Vom 20.01.2026 bis zum 22.01.2026 wurde an der HHU gestreikt (Foto: Lena Sorgalla)

Studentische Hilfskräfte streiken für Tarifvertrag

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Studentische Beschäftigte arbeiten häufig unter unbefriedigenden Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften Ver.di und GEW haben deshalb zu einem Streik aufgerufen, um Verbesserungen in den Bereichen Bezahlung und Beschäftigungssicherheit durchzusetzen.

Die Motivation und Begründung hinter dem Streik

Leere Seminarräume und ganz viele Banner auf dem Campus. Ver.di und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben studentische Beschäftigte zum Streik aufgerufen. An der Heinrich-Heine-Universität fand der Streik vom 20. bis zum 22.01.2026 statt, am 28.01. folgten dann bundesweite Demonstrationen. Die beiden Gewerkschaften vertreten unter anderem die Interessen der studentischen Beschäftigten, also zum Beispiel Tutor:innen oder Hilfskräfte von Professor:innen.

Zu dem Streik kam es, weil es noch keine Einigung zwischen den Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder gibt. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder vertritt die Bundesländer als Arbeitgeber, zu denen auch die Heinrich-Heine-Universität gehört. Schon seit dem 3. Dezember 2025 finden immer wieder Verhandlungen und Diskussionen statt. Die Gewerkschaften fordern eine Tarifierung. Das bedeutet, dass studentische Beschäftigte Tarifverträge bekommen sollen. Dadurch wären sie nicht mehr von tariflich geregelten Sonderauszahlungen, wie beispielsweise Weihnachtsgeld oder Inflationsboni, ausgeschlossen. Außerdem könnten sie damit auch längere Verträge und ein besseres Grundgehalt bekommen.

Arbeitsbedingungen für studentische Hilfskräfte

Mit über 300.000 nicht tarifierten Beschäftigten stellen studentische Kräfte bundesweit eine strukturelle Lücke im öffentlichen Dienst dar. Sie übernehmen wichtige Aufgaben, arbeiten jedoch ohne tarifliche Absicherung. Die Arbeitsbedingungen sind somit oft sehr unsicher: kurze Verträge, häufig kein fester Arbeitsplatz und unbezahlte Überstunden.

Dr. Deborah Wolf ist eine Dozentin an dem Institut Medien- und Kulturwissenschaft. Sie selbst ist Zeugin von den oft schwierigen Arbeitsbedingungen geworden:

Menschen, die an Hochschulen arbeiten, sind mit viel Motivation und Leidenschaft dabei. Die Bedingungen sind aber prekär. Durch die ständige Überlastung leidet die Arbeit – also zum Beispiel die gute Lehre – und nicht zuletzt auch die eigene Gesundheit. Studentische Beschäftigte, die die Uni an der Basis am Laufen halten, trifft das besonders hart. Sie haben keinen Tarifvertrag, der sie schützt, indem er zum Beispiel Gehalt und Urlaubsansprüche regelt. Ich bekomme die Folgen in der Zusammenarbeit mit Hilfskräften und Tutor:innen mit, aber auch die Student:innen merken es im Studienalltag.  

Dr. Deborah Wolf

Christina Schäfer ist Studentin und seit drei Jahren als Tutorin in der Medien- und Kulturwissenschaft aktiv und hat schon viele verschiedene Lebensbedingungen von studentischen Beschäftigten mitbekommen:

Ich, als jemand, der halt nur als studentische Hilfskraft arbeitet, habe natürlich weniger ein Problem, weil ich mich ganz darauf fokussieren kann. Manche müssen zwei Jobs machen, um überhaupt ihr Studium finanzieren zu können. Und das führt halt auch dazu, dass die Arbeit teilweise qualitativ schlechter wird, dass auch die Erstis dadurch schlechter koordiniert werden, einfach weil die Ressourcen fehlen und der Fokus erstmal darauf liegt, die Probleme zu lösen. Deswegen müssen wir diese Probleme lösen, damit unsere Arbeit auch besser wird.

Christina Schäfer

Auch Yağmur Özekin sieht Probleme in den jetzigen Arbeitsbedingungen. Sie selbst ist seit einem Semester Tutorin in der Medien- und Kulturwissenschaft und erhofft sich durch den Streik bessere Bedingungen für die Zukunft:

Gerade wenn man eine akademische Karriere anstrebt, schrecken die Arbeitsbedingungen enorm ab. Der Druck einfach ersetzt werden zu können und in kürzester Dauer keinen Job zu haben, ist erschreckend.

Yağmur Özekin

Überall in Deutschland streiken Menschen an Universitäten

Gestreikt haben nicht nur studentische Kräfte. Auch viele weitere Beschäftigte an der Universität haben aus Solidarität mit gestreikt. Dr. Deborah Wolf war eine von ihnen. Sie sieht den Streik als notwendig, um die prekäre Lage der studentischen Beschäftigten zu verbessern.

Streik ist eine Möglichkeit, den Arbeitgeber:innen klarzumachen, dass sich etwas ändern muss. Das Ziel der Streiks ist, bessere Bedingungen für alle zu schaffen, gerade weil sich die Streikenden der Universität verbunden fühlen. Studentische Mitarbeiter:innen sind besonders hart betroffen – von daher sollten sie auch ganz vorne mit dabei sein. Streiks sind immer auch eine Zeit des Austauschs, wie wir die Universität in Zukunft gemeinsam gestalten wollen. Dabei ist die Perspektive von Studierenden und studentischen Mitarbeiter:innen besonders wichtig.
Dr. Deborah Wolf

Auch Yağmur Özekin war am Streik beteiligt. Sie findet, dass neue Bedingungen vielen Menschen helfen könnten:

Es ist wichtig ein Zeichen zu setzen und sich solidarisch zu verbinden. Erst dann merkt man, wie viele Leute gemeinsam dasselbe Problem haben.

Yağmur Özekin

Erhöhte Löhne und Mindestvertragslaufzeiten

Die Gewerkschaften, die den Streik organisierten, fordern die Veränderung in vielen verschiedenen Aspekten, um die Bedingungen zu verbessern. In erster Linie möchten sie eine Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr sowie einen Mindeststundenumfang von 40 Stunden monatlich. Dieser könnte aber auch auf Wunsch der Beschäftigten reduziert werden. Außerdem soll der Stundenlohn erhöht werden. Im ersten Jahr der Beschäftigung soll er bei 17 Euro liegen und in den nächsten zwei Jahren jeweils um einen weiteren Euro, also bis maximal 19 Euro die Stunde, steigen. Die Gegenseite, also die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, hat noch kein Angebot vorgelegt (Stand: Januar 2026). Die Streiks und Demonstrationen sollen so lange weitergehen, bis ein Angebot erfolgt, mit dem die Gewerkschaften zufrieden sind, damit hoffentlich auch studentische Kräfte wie Yağmur und Christina unter besseren Bedingungen lehren und lernen können.  

Redigat: mf