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Sommerrundgang der Kunstakademie Düsseldorf 2026
Vom 8. bis 12. Juli öffnete die Kunstakademie Düsseldorf beim Sommerrundgang wieder ihre Türen für Besucher:innen. Der Sommerrundgang ist die öffentliche Ausstellung der Absolvent:innen des Sommersemesters und findet direkt in der Kunstakademie an der Eiskellerstraße statt. Neben dem jährlichen Winterrundgang, bei dem Studierende ihre aktuellen Semesterarbeiten zeigen, gibt es somit auch im Sommer die Möglichkeit, Kunst in den Räumen der Akademie zu sehen. Der Rundgang ist für alle Besucher:innen kostenlos.
Bei dem diesjährigen Sommerrundgang präsentierten auf mehreren Etagen insgesamt 56 Absolvent:innen des Sommersemesters ihre Abschlussarbeiten. Zu sehen waren unter anderem Gemälde, Skulpturen und Installationen. Die Ateliers und weitere Räume der Akademie wurden dafür zu Ausstellungsflächen, durch die sich die Besucher:innen frei bewegen konnten. Dabei konnte man sich die Werke nicht nur ansehen, sondern auch mit den jeweiligen Künstler:innen über ihre Ideen und den Entstehungsprozess sprechen. Doch was steckt genau hinter den Arbeiten und wie entstehen sie? Zwei Absolventinnen haben Einblicke in ihre Abschlusspräsentationen gegeben.
Erinnerungen auf Leinwand
Wenn man das Atelier von Aduni Ogunsan betritt, fallen zuerst die großformatigen Gemälde an den Wänden auf. Die darauf abgebildeten Personen stammen aus einem Fotoalbum ihres Vaters.
„Ich arbeite hier beim Abschluss mit einem Fotoalbum, das mir meine Mutter ganz beiläufig gegeben hat“, erzählt Ogunsan. Das Album stammt aus der Zeit, bevor ihr Vater nach Deutschland emigrierte. „Es sind Familienangehörige und Freunde der Familie, die ich nicht kenne, aber vielleicht kennen sollte, die mir bekannt vorkommen“, sagt sie. Ihre Arbeit beschreibt sie daher auch als eine Form der Archivarbeit. Teilweise weiß sie nicht einmal genau, wen sie auf den alten Aufnahmen sieht. Zum Beispiel hat ihr Vater einen Zwillingsbruder. Bei manchen Bildern ist daher nicht klar, ob ihr Vater oder ihr Onkel zu sehen ist. Das Fotoalbum, auf dem ihre Werke basieren, gibt ihr einen Einblick in ihre Familiengeschichte, lässt aber gleichzeitig Fragen offen. Die kleinen Fotografien übertrug Ogunsan mit Acryl auf große Leinwände. Das Format hat sie ganz bewusst gewählt. „Mir war das wichtig, die so groß zu machen, um halt auch nochmal die Person zu würdigen“, erklärt sie. Die Personen aus dem Album bekommen somit durch den vielen Raum, den sie einnehmen, eine neue Präsenz.


Dabei richtet sich ihre Abschlussarbeit nicht ausschließlich auf vergangene und frühere Generationen. „Ich möchte nicht nur den Blick auf die Vergangenheit setzen, sondern auch auf die Gegenwart und auf die Zukunft“, sagt die Absolventin. Deshalb hat sie auch ein Bild von sich und ihrer Partnerin sowie eine Aufnahme ihrer Eltern in die Arbeit mit aufgenommen. So sollen verschiedene Zeiten und Generationen nebeneinanderstehen. Neben den Gemälden zeigt Ogunsan kleinere Samtprägungen, die auf einem Glastisch in der Mitte des Raums platziert waren. Anders als die großen Bilder sind die Motive auf den Samtprägungen schwieriger zu erkennen. „Da muss man näher herantreten und gucken“, sagt sie. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall werden die Bilder auf dem Samt sichtbar.
Sie gibt auch Einblicke in ihren Arbeitsprozess, zu dem bei ihr nach eigenen Aussagen auch immer wieder Zweifel gehören. „Ich habe meistens nach dem zweiten Tag eine Krise“, beschreibt sie. In solchen Momenten tauscht sie sich mit anderen Künstler:innen aus oder legt für einen Tag Pause ein. Auch die Größe der Leinwände machte die Arbeit nicht immer einfach, da einige Bilder größer waren als Ogunsan selbst.
Gedanken aus Keramik
Ein Stockwerk tiefer präsentiert Jiyun Park, die ihren Abschluss im Fach Bildhauerei gemacht hat, ihre Abschlussarbeit. In ihrem Atelier stehen Figuren und Sockel aus Keramik. Zusammen bilden sie eine Installation, durch die sich die Besucher:innen frei bewegen und die von allen Winkeln aus betrachtet werden können.
„Ich wollte so einen Gedanken-Place machen“, beschreibt Park ihre Idee. Mit Kugelformen arbeitet sie schon seit längerer Zeit. Die Kugeln sind von ihr in unterschiedlichen Größen geformt und miteinander verbunden. Für Park sollen die einzelnen Formen ihren Stress, ihre Gedanken und ihre innere Unruhe sichtbar machen. Gleichzeitig empfindet sie das Arbeiten mit den Händen als etwas Meditatives.


Angefangen hat Park mit der Keramik nach einer schwierigen Zeit. Vor ca. zwei Jahren litt sie unter starker Neurodermitis, Depressionen und viel Stress. „Ich muss was mit meiner Hand machen, deswegen habe ich mit Keramik angefangen“, berichtet sie. Das Formen des Tons hat ihr dabei geholfen, mit ihrem Stress und den kreisenden Gedanken besser umzugehen. Auch der Ausstellungsraum ist für diese Arbeit von Bedeutung. Sechs Jahre lang arbeitete Park in diesem Atelier. Dort habe sie sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht. Ihr Werk ist deshalb auch ein Abschied von dem Raum und ihrer Zeit an der Kunstakademie. Sie verarbeitet in ihrer Arbeit auch das Gefühl der Einsamkeit. Für die gesamte Abschlussarbeit brauchte sie nur drei Monate. Dennoch war diese Zeit für sie von Zeitdruck geprägt und auch die filigrane Arbeit mit der Keramik fiel ihr schwer.
Mit dem Ende des Sommerrundgangs beginnt für beide Künstlerinnen ein neuer Abschnitt. Aduni Ogunsans Arbeiten werden bereits im November in der Artothek Köln ausgestellt. Jiyun Park hofft, ihre Installation auch noch an anderen Orten zeigen zu können und Kontakte zu Galerien zu knüpfen. Eins steht jedoch für beide fest: Sie möchten auch nach dem Abschluss weiter Kunst machen.
Redigat: mf
