Campus

How to: Ein Semester im Ausland
Egal, ob der Wunsch nach etwas Neuem besteht, man dem eigenen Campusalltag für eine Weile entfliehen oder Erfahrungen an einer Universität im Ausland sammeln möchte: Ein Auslandssemester bietet die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen, einmalige Erfahrungen zu sammeln und das Leben in einem anderen Land zu entdecken.
Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten und verschiedene Programme, die einen solchen Aufenthalt ermöglichen. Dabei wird häufig zwischen einem Studium im Ausland und einem Praktikum unterschieden. Ein Auslandsaufenthalt kann aber nicht nur für das Studium und das spätere Berufsleben von Vorteil sein, sondern auch für die persönliche Entwicklung, um z. B. die Kommunikationsfähigkeit, die Sprachkenntnisse und die sozialen Kompetenzen zu stärken.
Erasmus+: Eine Möglichkeit für ein Auslandssemester
Eine Möglichkeit für einen solchen Aufenthalt bietet das Erasmus+-Programm. Es richtet sich an Studierende im Bachelor- und Masterstudium sowie an Doktorand:innen. Für die Teilnahme müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst ist es notwendig, an einer Hochschuleinrichtung eingeschrieben zu sein, die am Erasmus+- Programm teilnimmt. Diese Voraussetzung ist für Studierende an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf oder der HSD bereits erfüllt. Auch das Studienziel spielt eine wichtige Rolle. Der Auslandsaufenthalt sollte zum eigenen Studienprogramm passen und einen relevanten Bestandteil des Studiums darstellen. Für Studierende der Anglistik kann sich beispielsweise ein Aufenthalt im Vereinigten Königreich anbieten, um die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern. Dabei soll es der Sinn und Zweck sein, die im Ausland erworbenen Fähigkeiten sowohl für das Studium als auch für das Berufsleben nutzen zu können.
Erasmus +
Erasmus+ ist ein Programm der Europäischen Union. Es soll Studierenden ermöglichen, ins Ausland zu gehen. Das Programm wurde 1987 von der Europäischen Union unter der Leitung des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors gegründet und wurde nach dem niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam benannt. Neben den 27 EU-Mitgliedstaaten sind auch assoziierte Nicht-EU-Länder wie Norwegen, Island oder die Türkei fest eingebunden. Darüber hinaus können rund 160 weitere Länder weltweit an bestimmten Erasmus+-Maßnahmen teilnehmen.

Wie läuft die Bewerbung ab?
Die Bewerbung für ein Erasmus+-Studium erfolgt über das eigene Fach. Jedes Fach hat einen Erasmus+-Beauftragten oder eine Erasmus+-Beauftragte, der oder die Partnerschaften des jeweiligen Fachs betreut und die Studierenden für einen Erasmus+-Aufenthalt auswählt.
Die Bewerbung erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst wird ein Online-Formular des International Office ausgefüllt. Anschließend wird eine PDF-Version der Bewerbung zusammen mit den vom jeweiligen Fach geforderten Unterlagen bei der zuständigen Erasmus+-Beauftragten oder dem zuständigen Erasmus+-Beauftragten eingereicht. Da die Zahl der Erasmus+-Plätze und der verfügbaren Fördermittel begrenzt ist, können nicht alle Bewerber:innen unmittelbar einen geförderten Platz erhalten. Darüber hinaus können weitere Bewerber:innen nominiert werden, die zunächst kein Stipendium erhalten, aber die Möglichkeit haben, später nachzurücken. Nach der Nominierung werden die Studierenden sowohl beim International Office als auch bei der ausländischen Partneruniversität gemeldet. Das International Office unterstützt anschließend bei den notwendigen Unterlagen für die Förderung. Parallel dazu erfolgt die Bewerbung an der jeweiligen Partneruniversität. Die Bewerbung für ein Erasmus+-Studium findet grundsätzlich einmal jährlich für das darauffolgende akademische Jahr statt. Die konkreten Fristen können je nach Fach unterschiedlich sein und werden von den jeweiligen Erasmus+-Beauftragten festgelegt.
Wie wird der Aufenthalt finanziert?
Auch die Finanzierung ist einer der wichtigsten Bestandteile der Planung. Das Erasmus+-Programm bietet ein Stipendium, das dabei helfen soll, die Reise- und Aufenthaltskosten zu decken. Die Höhe der Förderung hängt von der jeweiligen Ländergruppe ab. Nach den Informationen des International Office beträgt die Erasmus+-Förderung für ein Studium 540 oder 600 Euro pro Monat. Zusätzlich kann ein Social Top-up von 250 Euro pro Monat beantragt werden, beispielsweise, wenn man als Erstakademiker:in in der Familie studiert. Außerdem gibt es eine entfernungsabhängige Reisekostenpauschale sowie eine Förderung für Reisetage. Ein weiterer Vorteil für Erasmus+-Studierende besteht darin, dass sie von den Studiengebühren der Gastuniversität befreit sind. Die Heinrich-Heine-Universität verfügt über zahlreiche Erasmus+-Partnerschaften. Insgesamt bestehen 490 Erasmus+-Verträge mit 242 Partneruniversitäten in 32 Ländern. Jährlich werden etwa 300 bis 350 Erasmus+-Studierende an Partneruniversitäten vermittelt. Zu den beliebtesten Zielländern für ein Erasmus+-Studium gehören Italien, Spanien und Frankreich. Besonders viele Studierende werden von der Philosophischen Fakultät entsendet.
Was passiert vor und nach dem Aufenthalt?
Bevor das Auslandssemester beginnt, muss mit der Heimathochschule und der Gasthochschule eine Lernvereinbarung, das sogenannte Learning Agreement, getroffen werden. Darin wird festgehalten, welche Kurse während des Aufenthalts belegt werden und welche Studienleistungen anschließend angerechnet werden können. Zusätzlich wird ein Grant Agreement abgeschlossen. Darin werden die Vereinbarungen über die Erasmus+-Förderung festgehalten. Nach dem Aufenthalt ist es wichtig, die erworbenen ECTS-Credits nachweisen zu können und die absolvierten Lehrveranstaltungen durch entsprechende Leistungsnachweise zu dokumentieren.
Welche Dokumente werden benötigt?
Je nach Aufenthalt und individueller Förderung können verschiedene Dokumente erforderlich sein. Dazu gehören unter anderem:
- das Learning Agreement
- das Grant Agreement
- das Reisekostenformular für die Reisekostenpauschale und Reisetage
- gegebenenfalls das Social-Top-up-Formular für eine zusätzliche Förderung
Auch nachhaltiges Reisen kann berücksichtigt werden: „Grünes Reisen“ wird im Rahmen der Reisekostenförderung besonders unterstützt. Bei der Krankenversicherung läuft der Versicherungsschutz grundsätzlich über die heimische Krankenversicherung beziehungsweise die Europäische Krankenversicherungskarte. Bei einem Erasmus+-Praktikum ist zusätzlich eine Unfall- und Haftpflichtversicherung erforderlich.

Erasmus + -Praktikum: Nicht nur studieren, sondern auch Berufserfahrung sammeln
Erasmus+ bietet neben dem Studium auch die Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Der erste Schritt ist dabei die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz. Grundsätzlich können Vollzeitpraktika gefördert werden, ausgenommen sind Praktika bei der Europäischen Union. Sobald eine Praktikumszusage vorliegt, kann die Bewerbung um eine Erasmus+-Praktikumsförderung erfolgen. Dabei können sowohl freiwillige als auch Pflichtpraktika gefördert werden. Die maximale Förderdauer beträgt sechs Monate. Auch Graduiertenpraktika können unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden.
Für Erasmus+-Praktika gibt es drei Bewerbungstermine pro Jahr. Welcher Termin relevant ist, hängt vom geplanten Startdatum des Praktikums ab. Die Förderung für ein Erasmus-+Praktikum beträgt 690 oder 750 Euro pro Monat, abhängig von der Ländergruppe. Auch hier kann zusätzlich ein Social Top-up von 250 Euro pro Monat sowie eine entfernungsabhängige Reisekostenpauschale inklusive Reisetagen gezahlt werden.
An wen kann man sich bei Fragen wenden?
Bei Fragen rund um einen Erasmus+-Aufenthalt sind sowohl das International Office als auch die Erasmus+-Beauftragten des eigenen Fachs wichtige Anlaufstellen. Es empfiehlt sich, bereits frühzeitig die Sprechstunden der zuständigen Erasmus+-Beauftragten zu besuchen. Dort können Fragen zu Partneruniversitäten, Bewerbung, Kurswahl und Voraussetzungen geklärt werden. Auf der Website des HHU International Office finden sich außerdem Informationen zu den Erasmus+-Partnerschaften, Bewerbungsfristen und weiteren Voraussetzungen.
Gut zu wissen
Früh informieren: Am besten bereits etwa ein Jahr vor dem geplanten Aufenthalt mit der Planung beginnen.
Bewerbung: Die Bewerbung für ein Erasmus+-Studium erfolgt einmal jährlich für das darauffolgende akademische Jahr. Die konkreten Fristen können je nach Fach
variieren.
Finanzierung: Für ein Erasmus+-Studium beträgt die monatliche Förderung je nach Ländergruppe 540 oder 600 Euro. Für Erasmus+-Praktika sind es 690 oder 750 Euro.
Zusätzlich können weitere Förderungen, beispielsweise das Social Top-up, möglich sein.
Wichtig: Ein Erasmus+-Platz und eine finanzielle Förderung sind nicht zwingend gleichzusetzen. Je nach verfügbaren Fördermitteln können nicht alle ausgewählten Studierenden finanziell gefördert werden.
Ansprechpartner: Bei Fragen helfen das International Office und die Erasmus-Beauftragten des eigenen Fachs weiter.
Worauf sollte man bei der Planung achten?
Wer ein Auslandssemester plant, sollte sich möglichst früh informieren, idealerweise etwa ein Jahr vor dem geplanten Aufenthalt. Besonders wichtig ist dies bei einem Erasmus+-Aufenthalt im Sommersemester, da die Bewerbung bereits im vorherigen Jahr erfolgen kann. Auch die Erasmus+-Partnerschaften des eigenen Fachs sollten frühzeitig geprüft werden. Nicht jede Partneruniversität steht Studierenden aller Fachrichtungen offen, da die Erasmus+-Verträge auf Fachebene abgeschlossen werden. Außerdem sollte bedacht werden, dass nicht alle ausgewählten Studierenden mit einem Erasmus+-Stipendium gefördert werden können. Bei Erasmus+-Praktika wurden dagegen in der Vergangenheit meist alle Bewerber:innen gefördert.
Ein Auslandssemester kann damit nicht nur eine Ergänzung zum Studium sein, sondern auch eine Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln, andere Kulturen kennenzulernen und vor allem den eigenen Horizont zu erweitern.
Redigat: mf
