Campus

„Diskutieren und nicht wegschauen“
Das Wintersemester 2026/27 ist mittlerweile schon im vollen Gange. Auch in diesem Jahr gehörte zum Start der Vorlesungszeit die Begrüßung der Erstsemester:innen durch Rektorin Anja Steinbeck. Durch die Veranstaltung führte Hannah Vogel von den Campusmedien. Mit der Begrüßung endet die Ersti-Woche für über 4000 neue Studierende an der HHU.
Anschließend sprach die Rektorin im Interview mit cm3 über Tipps für Erstis, Denkanstöße, den Blick auf derzeitige politische Entwicklungen und die Zuversicht auf ein gutes Studium und machte den Erstsemester:innen Mut: „Die werden das schon alle schaffen. Ich glaube, die sind alle sehr motiviert.“ Außerdem blickte die Rektorin positiv darauf, was die neuen Studis erwartet. „Jeder, der jetzt hier anfängt zu studieren, hat die Chance, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Da bin ich wirklich zuversichtlich“, sagte sie im Interview.
Zu wenig Erstis?
In diesem Jahr gab es an den Gymnasien in NRW keinen regulären Abiturjahrgang, da die Schulen von G8 auf G9 umgestellt haben. Das war auch für die Hochschulen relevant. Laut der Rektorin der HHU würde man das dieses Jahr aber nicht merken. "Wir sind eine sehr, sehr hoch ausgelastete Uni, heißt, wir haben mehr Studierende, als wir haben sollten", beschreibt sie die derzeitige Lage der Universität. Im Uni-Alltag werde der Rückgang für die Studierenden deshalb nicht merklich sein. Einigen neuen Erstis könnte die Situation bei der Studienplatzvergabe aber durchaus zugutekommen, so Steinbeck, vor allem in Studiengängen mit hohem NC wie Medizin, Jura und Pharmazie. „Aber dass der Campus leer ist, daran braucht man gar nicht zu glauben“, versicherte sie lachend.
Ein Jahr zum probieren
Zum zweiten Mal haben in diesem Jahr einige neue Studis an der Heine-Uni, die noch nicht genau wissen, was sie studieren wollen, die Chance, nicht klassisch mit einem Bachelor zu beginnen, sondern das sogenannte College-Jahr auszuprobieren. In diesem haben sie die Möglichkeit, verschiedene Veranstaltungen der Philosophischen Fakultät zu besuchen. Dort können sie dann auch schon Credit Points sammeln. Für Rektorin Anja Steinbeck ist das ein wichtiges Angebot, denn das Interesse an der Philosophischen Fakultät ist gesunken. Dennoch brauche man dringend Leute, die diese Fächer studiert haben. „Weil wir möchten ja nicht, dass später in den Vorständen beispielsweise, wo wir Führungspositionen haben, nur Naturwissenschaftler sind“, erklärte sie.
Nicht wegschauen
In der vergangenen vorlesungsfreien Zeit kam man um ein Thema nicht herum. Bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wurde gewählt. Das Erstarken der AfD, besonders in Sachsen-Anhalt, führt zu Unsicherheit in Sachen Hochschulpolitik. Dort will die AfD nämlich unter anderem Eingriffe in die Lehr- und Forschungsthemen vornehmen, den AStA abschaffen und das Bachelor-Master-System wieder zurückschrauben. Rektorin Anja Steinbeck zeigte sich darüber sehr besorgt, ebenso wie ihre Kolleg:innen in NRW und im gesamten Bundesgebiet. Sie rief deshalb zum Aktivismus gegen diese Entwicklung auf. „Da muss man sich mal vorstellen, was das für die Studierenden bedeutet. Die sind auf dem deutschen und europäischen Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar, weil sie keinen Bachelor und Master haben.“ Was passiert sei, seien Warnzeichen. „Sich zurückzulehnen und zu sagen: ‚Na ja, das ist Sachsen-Anhalt und wir nicht‘, ist sicherlich der falsche Weg“, stellte Steinbeck fest. Die Studierenden ermutigte sie, den Diskurs zu suchen, nicht wegzuschauen und gegen antidemokratische Bewegungen aktiv zu werden.
Redigat: mf
